Dualismus ist die Darstellung eines Ganzen, das aus zwei entgegengesetzten Polen besteht, die miteinander nichts zu tun haben.
Dualistische Raumtheorien unterscheiden zwei Typen von Räumen, “entwickelte” und “unterentwickelte”. Dem Fortschritt in einer Stadt bzw. Nation steht die Rückständigkeit und Traditionsverbundenheit in anderen gegenüber. In ersteren kommt es zu einer Dynamik der Entwicklung, weshalb diese Räume reich und mächtig sind und ein Großteil der Bevölkerung an der Entwicklung teilhat. Es ist dies die homogene Entwicklung, wie sie dem Zentrum zugeschrieben wird, das je nach Theoriestrang als Norden, Industrieland, Geberland, Agglomeration oder Stadt bezeichnet wird. Hier gilt der biblische Spruch, wonach dem, der hat, gegeben wird. Auf der anderen Seite gibt es die “unterentwickelten” Räume, in denen Armut vorherrscht. In diesen peripheren Räumen, die als Süden, Entwicklungsland, Nehmerland, Hinterland oder Land bezeichnet werden, ist ein Teufelskreis der Armut beobachtbar. Die Armen sind demnach arm, weil sie arm sind. Sie sind aber auch gleichzeitig abhängig, ausgeschlossen und traditionell.
Auch Wissenschaftstheoretisch gibt es zahlreiche Dualismen, zwischen Absolutismus und Relativismus, Struktur- und Handlungstheorien. Auch positivistische und postmoderne Zugänge erscheinen als unversöhnliche Gegenpole. Die Probleme dieser Art desn Denkens können anhand der Auseinandersetzung von Subjektivismus und Objektivismus aufgezeigt werden.
Wenn die Trennung von Objekt und Subjekt einmal akzeptiert ist, dann muss eine Analyse entweder in einer objektivistischen oder einer subjektivistischen Verkürzung enden. In beiden Fällen gerät die Einheit gesellschaftlicher Prozesse aus dem Blick. Sowohl Positivismus als auch Postmoderne geht es zumeist bloß um Teil-Erklärungen, die weitgehend unvermittelt neben anderen Teil-Erklärungen stehen. Forschen reduziert sich im Positivismus auf das fragmentierte Sammeln von Fakten, in der Postmoderne auf die Analyse einer Mikro-Wirklichkeit. Auch der Dualismus zwischen Vereinheitlichung hier und Vielfalt dort beschreibt bloß einen oberflächlichen Gegensatz. Denn beide arbeiten mit einem verkürzten Rationalitätsbegriff. PositivistInnen meinen, Wissenschaft habe Verallgemeinerung (Generalisierungen) in der Form von Sozialgesetzen zu produzieren, und die Postmoderne denunziert diesen Anspruch als vermessen. Während nun das oberflächliche Verständnis von Objektivität im Positivismus dazu führt, vielfältigste Regelmäßigkeiten in der sozialen Welt zu beschreiben, so leugnet die Postmoderne jegliche Sinnhaftigkeit, überhaupt Ordnung in der sozialen Welt herstellen zu wollen. Was beiden Strömungen fehlt, ist eine Theorie der Schaffung von Begriffen und Konzepten, d.h. von Abstraktionen.
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