Milton Friedman wird als Sohn jüdischer Immigranten (aus dem zur Donaumonarchie gehörenden Bessarabien, heute Moldawien) 1912 in New York geboren. Nach dem Tod seines Vaters muss er bereits mit 15 Jahren teilweise selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen. Mit einem Stipendium finanziert er sich zuerst das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Rutgers University, New Jersey, und anschließend ein Postgraduate an der University of Chicago, der er im Wesentlichen (Ph.D. an der University of Columbia) bis zu seiner Pensionierung als Professor im Jahr 1977 treu bleibt. Neben seiner Tätigkeit als Universitätslehrer arbeitet er im Laufe seines Lebens für das ‚National Bureau of Economic Research’, das ‚US Treasury Department‘, als Konsulent für die Umsetzung des Marshall Plans und ab den 1960er Jahren verstärkt als politischer Berater im In- und Ausland. 1976 erhält Friedman den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Heute schreibt und forscht er als Senior Research Fellow am konservativen Hoover Institut der Stanford University.
Friedmans Biographie dürfte zu vielen seiner theoretischen Überzeugungen geführt haben. Zu jener Zeit, als sein wissenschaftliches Wirken beginnt, zeichnet sich bereits die umfassende Vormachtstellung keynesianischer Theorie ab. Auch Friedman wird im Wissenschaftsbetrieb ‚keynesianisch sozialisiert‘. Aus diesem Denkgebäude heraus entwickelt er jedoch sehr bald eine fundamentale Kritik. Neben F.A. Hayek zählt Friedman zu den Mitbegründern der neoliberalen ‚Mont Pèlerin Gesellschaft‘, die 1947 erstmals zusammentrifft. 1957 legt er in seinem Werk ‚A Theory of the Consumption Function‘ (1957) dar, dass entgegen Keynes‘ Annahmen die private Nachfrage nicht vom laufenden Einkommen, sondern vom Lebenseinkommen der Wirtschaftssubjekte abhängig sei. Eine kurzfristige Erhöhung des laufenden Einkommens bewirke also keine zusätzlichen Nachfrageeffekte, staatlich gelenkte Wirtschaftsbelebung sei zwecklos. Ebenso greift er bereits 1956 in seinem Artikel ‚Studies in the Quantity Theory of Money‘ die klassische Quantitätstheorie des Geldes wieder auf, um damit Keynes‘ Überzeugung der relativen Wirkungslosigkeit der Geldpolitik zu widerlegen. In seinem 1963 (gemeinsam mit Anna Schwartz) veröffentlichten Buch ‚Monetary History of the United States, 1867-1960‘ versucht er anhand ausführlicher Zeitreihen darzulegen, dass die Weltwirtschaftskrise der frühen 1930er Jahre primär eine Folge restriktiver Geldpolitik war.
Milton Friedman wird zum Vorreiter der sogenannten ‚Chicagoer Schule‘, der Begründerin des Monetarismus. Die Grundaussage des Monetarismus ist, dass stabiles Wirtschaftswachstum und Preisstabilität nur durch eine stetig wachsende Geldmenge erreicht werden können, weshalb die Zentralbanken primär für die Steuerung der Geldmenge verantwortlich sein sollten. Weitere geldpolitische Instrumente wie die Beeinflussung der Zinssätze wären ebenso zu verwerfen wie der gesamte keynesianische Wohlfahrtsstaat.
Der Einsatz für einen stark wirtschaftspolitisch intervenierenden Staat widerspricht Friedmans Verständnis von Freiheit, das in der Tradition von F.A. Hayek steht. In seinem 1962 erscheinenden Hauptwerk ‚Capitalism and Freedom‘ erläutert er die gesellschaftspolitische Überzeugung, dass der Kapitalismus nicht nur das beste Wirtschaftssystem darstelle, sondern auch den geeignetsten Rahmen für individuelle Selbstverwirklichung biete. Er plädiert für die Abschaffung geregelter Mindestlöhne, Streichung von Subventionen (bspw. im Agrar- und Wohnungssektor), Liberalisierung des Berufszugangs (auch für Ärzte), Privatisierung der Sozialversicherung, Aufhebung von Importrestriktionen etc. Berühmt wurde Friedman insbesondere für die Ideen, für alle Schüler Bildungsgutscheine einzuführen und sämtliche Sozialleistungen durch eine negative Einkommenssteuer für Familien unterhalb der Armutsgrenze zu ersetzen. Diese Gutscheinmodell (Scheckmodell) findet sich beispielsweise in der aktuellen Einführung von Kinderschecks und dem Pflegegeld wieder.
Friedman zählt, neben seiner Bedeutung als Wissenschafter, heute insbesondere deshalb zu den berühmtesten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, weil er dem autoritär-liberalen, anti-keynesianischen Projekt in den 1970er und 1980er Jahren zum politischen Durchbruch verhalf. Die Beratung der chilenischen Militärdiktatur in den 1970er Jahren durch die sogenannten ‚Chicago Boys‘ brachte Friedmans Konzepte erstmals zur radikalen Umsetzung. Da Friedman wirtschaftliche Freiheit als eine notwendige Voraussetzung für politische Freiheit betrachtet, stand die autoritäre Durchsetzung seiner Ideen dem spezifischen Freiheitskonzept nicht entgegen.
"Der fundamentale Trugschluss in Bezug auf den Wohlfahrtsstaat, welcher sowohl in die Finanzkrise wie zum Verlust von Freiheit führt, liegt in dem Versuch, Gutes auf Kosten anderer zu tun". (Milton Friedman)
"Der Handlungsraum für die Regierung muss begrenzt werden. Ihre Hauptaufgabe muss sein, unsere Freiheit zu beschützen, Ordnung zu gewährleisten, private Verträge zu gewährleisten und wettbewerbsfähige Märkte zu fördern". (Milton Friedman) |