Die in Portugal geborene Brasilianerin gilt als Strukturalistin und heterodoxe Ökonomin. Nach ihren politischen Erfahrungen als Bundesparlamentsabgeordnete der Arbeiterpartei von 1990 bis 1997 wandelte sie sich zunehmend zur Politikökonomin.
Maria da Conceicao Tavares ist eine Verfechterin eines eigenständigen, national orientierten Entwicklungsmodells. Ausgehend von keynesianischen Überlegungen kritisierte sie die liberale Wirtschaftstheorie. In den letzten Jahren radikalisierte sie ihre Position jedoch, indem zunehmend die Analyse von Geld und Macht in den Mittelpunkt rückt. Hierbei entwickelte sie eine eigene Theorie der US-Dominanz, die auf der spezifischen Weltgeldpolitik des Dollar aufbaut. Angelehnt an Celso Furtados Überlegungen vertritt sie die Rückkehr zu einem Projekt der Nationsbildung, diesmal jedoch unter Einbindung der gesamten Bevölkerung. Seit 2003 berät sie in der PT-Regierung im Bereich der Industrie- und Beschäftigungspolitik. Gleichzeitig muss sie mit Sorge beobachten, dass die Erwartung, dass die PT-Regierung eine national orientierte Entwicklungsstrategie verfolgen wird, bis dato nicht in Erfüllung gegangen ist. Vielmehr verstärken sich die Anzeichen, dass die liberale Politik der Regierung Cardoso fortgesetzt wird. |