Im Rahmen interdisziplinärer Forschung bleiben die Disziplinen aufs Erste zueinander wie Fremdsprachen: Die Welt der Kosten-Nutzen-Rechnung hat wenig mit Kult und Religion zu tun. Für komplexe Phänomene benötigen wir gute Brillen für interdisziplinäres Forschen, wir brauchen aber auch die Fähigkeit des Abwägens der Bedeutung der verschiedenen Brillen, um Entwicklung als Einheit wahrnehmen zu können.
Es bedarf der Übersetzung, um die Anliegen der einen Disziplin für die anderen verständlich zu machen. Der Kern interdisziplinären Forschens liegt genau in dieser Übersetzungsleistung. Ihre Schwierigkeit liegt darin, dass es keine im vorhinein feststehenden Kriterien für diese Übersetzung aus verschiedenen Disziplinen gibt. Es gibt auch keine transdisziplinäre Sprache, die alle Theorien und Disziplinen akzeptieren. Es steht somit nicht im vorhinein fest, welche Argumente welches Gewicht haben. Dazu bedarf es der öffentlichen Diskussion, des Dialogs, der Kommunikation und der Kenntnis der verschiedenen Disziplinen mit ihren je eigenen Wissenschaftssprachen, ihren Fachausdrücken und Modellen.
Kosten, Nutzen, Gewinn bei den Einen; Macht, soziales System und kulturelle Beharrung bei Anderen; Ritus, Zeremonie und Status bei wieder Anderen. Um den Dialog zwischen den Disziplinen fruchtbar zu machen, bedarf es der Kommunikation in einem gemeinsamen Raum. Diesen Raum zu schaffen ist das Ziel interpretativer Sozialforschung. Spätestens hier ist klar, wie viel zu leisten ist, um zum Beispiel die Anliegen der Ökonomie genau so verständlich zu machen wie die der Sprachwissenschaft oder anderer Sozialwissenschaften. |