Disziplinen sind Fachbereiche der Wissenschaft, die sich durch eigene Theorien, Regeln und Methoden auszeichen. Sie beanspruchen für sich, in bestimmten Themenfeldern aufgrund von Detailkenntnissen kompetent zu sein. Disziplinen produzieren SpezialistInnen und Fachwissen. Auf diese Weise gelang es der Wissenschaft zum gesellschaftlichen Fortschritt beizutragen. Disziplinen produzieren aber gleichzeitig eine fragmentierte Wahrnehmung der Wirklichkeit, weil eine intergrierte Analye und ein Dialog von SpezialistInnen verschiedener Fachbereiche nur schwer möglich wird.
Disziplinen produzieren ein Korsett, das sich um ein Themenfeld legt, es eingrenzt und gleichzeitig fest zuschnürt. Die Wissenschaftsdisziplinen rekrutieren auf diese Weise Gleichgesinnte. Anders Denkende, die nicht zur eigenen Scientific Community gehören, werden mit einer gehörigen Portion Skepsis beäugt. Wer studieren will, um zu verstehen, und nicht bloß wegen besserer Arbeitsmarktchancen, für den oder die ist es aber notwendig zu lernen, Probleme durch verschiedene Brillen zu sehen. Zu Recht ist deshalb allerorten Interdisziplinarität bzw. Transdisziplinarität zu einem neuen Schlagwort geworden. Disziplinäre Zugänge analysieren in der Regel einen Teil der Problematik genau, spannen aber nur selten den Bogen zum Ganzen.
Die Wirtschaftswissenschaft ist eine Disziplin, die sich nicht vorrangig für die Erklärung des ökonomischen Systems interessiert. Vielmehr liefert sie eine Methode, nämlich die Optimierung, mit der verschiedenste gesellschaftliche Felder, von der Ökonomie bis zur Kultur, erklärt werden. So lautet ein ÖkonomInnen-Witz, das für ÖkonomInnen die Wirklichkeit nur ein besonderes Fall, ein special case, sei. |