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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 4 Wissenschaftstheorie

4.3 Disziplinenübergreifendes Forschen

Politik und Ökonomie sind gesellschaftliche Teilbereiche. Die Wirtschafts- und Politikwissenschaften sind wissenschaftliche Diszipinen. Ökonomische, politische, gesellschaftliche und kulturelle Prozesse sind aber keinem speziellen System zuordenbar und können daher auch nicht von einer Disziplin untersucht werden. Weil die Welt, in der wir leben, eine widersprüchliche Einheit, eine sogenannte Totalität, darstellt, ist die Wirtschaft nur eingebettet in Politik, Kultur und Gesellschaft verständlich. Eine ganzheitliche Sicht muss daher disziplinenübergreifend sein, sei es inter- oder transdisziplinär.

Ökonomische und politikwissenschaftliche Erklärungen sind fragmentiert, wenn sie einzig von SpezialistInnen einzelner Disziplinen vorgenommen werden. Sie müssen vielmehr in eine sozialwissenschaftliche Analyse einbettet werden und disziplinenübergreifend forschen.

Die ökonomische Theorie neigt dazu, ihre Erkenntnisse als Naturgesetze zu verstehen. So behauptet die vorherrschende ökonomische Theorie, die Neoklassik, dass das Gesetz von Angebot und Nachfrage Raum und Zeit-unabhängige Gültigkeit habe. Diese Aussage kann sowohl im Rahmen einer politökonomischen Analyse kritisiert werden, als auch indem die wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Neoklassik offengelegt werden. Es ist nämlich unmöglich, die Gesellschaft mit den Begriffen und Methoden der Naturwissenschaften zu verstehen. Daher stößt der Positivismus, der der Neoklassik zugrundeliegt, in den Sozialwissenschaften an Grenzen.

Die interpretative Sozialforschung sieht die Welt als Einheit, während das Denken in Disziplinen die Wahrnehmung der Wirklichkeit fragmentiert. Denken in Disziplinen ist diszipliniertes Denken. Es verausgabt seine gesamten Energien dafür, Teil-Erklärungen zu liefern. Dabei ist es stets gefährdet, entweder Nebensächliches zu erforschen oder fundamentalistisch zu werden und die eigenen Teil-Erklärungen zur einzig zulässigen Welterklärung zu machen. Demgegenüber ist der Blick auf das Ganze der beste Schutz vor fundamentalistischem Denken und Handeln.

Die Welt als widersprüchliche Einheit, d.h. als Totalität zu sehen, stärkt das Bewusstsein dafür, dass verschiedene Interpretationen der Wirklichkeit nebeneinander stehen und legitim sind. Eine dialektische Weltsicht ist gleichzeitig eine Sicht, die gegenüber der Welt, aber auch gegenüber sich selbst kritisch ist. Dies erfordert Reflexion und Selbstreflexion.

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 down 4.3.2 Paradigma
 down 4.3.3 Interdisziplinäre Wissenschaft
 down 4.3.4 Transdisziplinäre Wissenschaft
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