Technokratische Utopien sind ortlose Vorstellungen über Zukunft und sind immer leicht vereinnahmbar für Machtinteressen: Ein Wissenschaftler denkt sich die heile Welt aus, schreibt ein Buch darüber und reduziert dergestalt Utopien zu einem anzustrebenden Endzustand. Schließlich beklagt er sich dann, dass sich die Menschen nicht daran halten. Das Versagen liegt dann niemals an der Utopie, sondern immer an den UmsetzerInnen. Utopien sind dann einzig Fortsetzungen sozialtechnischer Interventionen, Objekte, die herzustellen seien. Machtstrukturen bleiben in der moralisch hoch beladenen Rhetorik großer Zukunftsentwürfe auf internationalen Konferenzen und wissenschafltichen Tagungen zumeist ausgeblendet. Derartige Entwürfe sind einzig Sonntagsreden, die gleichzeitig beschwichtigen und schönreden. Die Brutalität der real stattfindenden Entwicklung scheint unerreichbar weit davon entfernt. Diese technokratischanmutenden Utopien einer besseren Welt gleichen einem Brief ans Christkind.
"Daß sich dieses aus den Erfahrungen des Herstellens gewonnene Begriffsgefüge vorzüglich für die Konstruktion politischer Utopien eignet, ist selbstverständlich. Plato, der als erster utopische Staatsformen entwarf, in denen das menschliche Miteinander technisch geregelt werden kann, ist der eigentliche Begründer des utopischen Denkens in der Politik. Und so unbedeutend die historische Rolle dieser Utopien auch ist - in den seltensten Fällen ihrer Realisierung sind sie natürlich immer sofort an der Wirklichkeit gescheitert, und zwar keineswegs an äußeren Umständen, sondern an der Realität des menschlichen Bezugsgewebes, das technisch nicht kontrollierbar ist-, so bedeutend ist doch ihre Rolle in dem theoretischen Selbstverständnis und der Tradition politischen Denkens, das, auch wo es nicht bewußt utopischen Charakter trug, sich am Herstellen und seinen Kategorien orientierte, um politisches Handeln begrifflich zu verstehen" (Arendt 1981: 122). |