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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 3 Sozialwissenschaften
 up 3.6 Der didaktische Dreischritt
 up 3.6.2 SOLL: Konkrete Utopie

3.6.2.2 Normative Entwicklungskonzepte

Eine Vielzahl engagierter ForscherInnen entwarfen normative Entwicklungskonzepte, nicht alle sind bloß fromme Wünsche und Sonntagsreden. Martha Nussbaum hat in enger Zusammenarbeit mit Amartya Sen und aufbauend auf Aristoteles menschliche Grundfähigkeiten beschrieben, die essenzielle Bestandteile eines guten Lebens seien. Aber auch nüchternere ForscherInnen kommen nicht umhin, eine normative Position zu beziehen.

Einen allumfassenden Entwicklungsbegriff definierend sprechen Nohlen und Nuscheler von einem „magischen Fünfeck“ von Entwicklung, das Wirtschaftswachstum, Arbeit, Gleichheit und Gerechtigkeit, Partizipation und Demokratie und schließlich Unabhängigkeit und Eigenständigkeit umfasst. Im Gefolge dieser Überlegungen entstanden eine Vielzahl von Entwicklungsindikatoren, mittels deren die Fixierung auf das Pro-Kopf-Einkommen kritisiert wurde. Grundlage dieser Bemühungen sind die Überlegungen von Sen, der Entwicklung nicht als Reichtum sondern als Freiheit definiert. In der Praxis der Entwicklungszusammenarbeit hat dies seinen Niederschlag in der Erstellung des Human Development Index (HDI) durch das United Nations Development Programme (UNDP) gefunden.

Das Florieren der Indikatoren und die normativen Überlegungen zum Entwicklungsbegriff, die die 1990er Jahre prägten, haben aber nicht verhindert, dass in diesem Jahrzehnt die Schere zwischen Arm und Reich dramatisch auseinandergegangen ist. Utopien, die die kapitalistische Grundstruktur als Endzustand der Geschichte akzeptierten, verkümmerten zu hoffnungslos unrealistischen Zukunftsmodellen. Dies hat seine Ursache darin, dass sie weder eine Vorstellung von Dispositiven noch von Regulation haben. Das positivistische Herstellen „guter Entwicklung“ erfordert handlungsfähige AkteurInnen, wie sie auf dem Feld des Planungsdispositivs (Entwicklungsdispositiv) vorhanden waren. In der nationalstaatszentrierten Entwicklungsweise gab es mit dem Nationalstaat diesen mächtigen Akteur. In der liberalen Regulation fehlen starke AkteurInnen und damit ist der sozialtechnischen Herstellung von Entwicklung die Grundlage entzogen.

 down 3.6.2.2.1 Liberalismus
 down 3.6.2.2.2 Sozialismus
 down 3.6.2.2.3 Feminismus
 down 3.6.2.2.4 Demokratie
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