"Macht ist, was den öffentlichen Bereich, den potentiellen Erscheinungsraum zwischen Handelnden und Sprechenden, überhaupt ins Dasein ruft und am Dasein erhält. Das Wort selbst ... die lateinische "potentia" mit ihren Abwandlungen in modernen Sprachen, die deutsche "Macht", die sich von "mögen" und "möglich" und nicht von "machen", herleitet - weist deutlich auf den potentiellen Charakter des Phänomens hin. Macht ist immer ein Machtpotential, und nicht etwas Unveränderliches, Meßbares, Verläßliches wie Kraft oder Stärke. Stärke ist, was ein jeder Mensch von Natur in gewissem Ausmaße besitzt und wirklich sein eigen nennen kann; Macht besitzt eigentlich niemand, sie entsteht zwischen Menschen, wenn sie zusammen handeln, und sie verschwindet, sobald sie sich wieder zerstreuen. ... Eine zahlenmäßig kleine, aber durchorganisierte Gruppe von Menschen kann auf unabsehbare Zeiten große Reiche und zahllose Menschen beherrschen" (Arendt 1981: 194).
"Diese Begrenztheit von Macht durch Pluralität ist nicht zufällig, weil ihre Grundvoraussetzung ja von vornherein eben diese Pluralität ist. Hieraus erklärt sich auch die merkwürdige Tatsache, daß Machtteilung keineswegs Machtminderung zur Folge hat, ja daß das Zusammenspiel der "Gewalten", das auf Teilung beruht, ein lebendiges Verhältnis von sich gegenseitig kontrollierenden und ausgleichenden Mächten hervorruft, in dem vermöge des in ihm waltenden Miteinander mehr Macht erzeugt wird" (Arendt 1981: 195).
"Unter menschlichen Verhältnissen ist das einzige, was sich mit Macht messen kann, nicht Stärke - die wehrlos ist, wenn sie mit Macht konfrontiert ist -, sondern die der Gewalt eigene Kraft, mit de tatsächlich ein Einzelner viele zwingen kann, weil sie in der Form der Gewaltmittel anhäufbar und monopolisierbar ist. Gewalt aber kann Macht nur zerstören, sie kann sich nicht an ihre Stelle setzen" (Arendt 1981. 196) |