Die Bewegung für den fairen Handel (Fair Trade) vertreibt in Europa Produkte aus Afrika, Asien und Lateinamerika, die den ProduzentInnen bessere Arbeits- und Lebensbedingungen ermöglichen, weil sie höhere Preise und sichere Abnahmeverträge bekommen. Viele Menschen begeistern sich an derartigen kleinen Schritten zur Verbesserung der Entwicklungschancen im Süden. Sie suchen keine Welterklärungen, sondern konkrete Projekte, mit denen den Menschen im Süden geholfen werden kann. Es entspricht dies dem Wunsch nach “Sachen zum Angreifen und zum Anpacken”. Wenn wir unsere Lebensgewohnheiten ändern, wenn jeder und jede bei sich anfängt, dann kann in einem zweiten Schritt auch das Große geändert werden. Hierbei wird so getan, als könnten wir unser Leben und unser Handeln von der Welt da draußen mit ihren problematischen Strukturen trennen, so als hätten Strukturen mit unserer Lebenswelt nichts zu tun. Damit jedoch landen wir schnell in der Sackgasse: Wie lange können sich die kleinen AnbieterInnen der Logik der Großen entziehen? Wie lange können sie in ihrer internen Struktur Teilhabe und Gerechtigkeit umsetzen, wenn ihnen der raue Wind der Konkurrenz zusetzt? Wieviel Solidarität ist von den PartnerInnen des Nordens zu erwarten, angesichts von Preisen, die nicht-ökologisches und un-soziales Handeln massiv begünstigen?
Die Fair-Trade-Bewegung problematisiert nicht, dass Globalisierung die BürgerInnen durch KundInnen als die neuen Subjekte ersetzt. Die Freiheit, das Gemeinwesen zu gestalten, erscheint angesichts so vieler Sachzwänge als illusorisch; die Freiheit, am Markt als KundIn wählen zu können, erscheint als realistische Möglichkeit der Lebensgestaltung – aber eben nur im Rahmen des Bestehenden. |