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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 3 Sozialwissenschaften
 up 3.6 Der didaktische Dreischritt
 up 3.6.2 SOLL: Konkrete Utopie
 up 3.6.2.2 Normative Entwicklungskonzepte
 up 3.6.2.2.1 Liberalismus
 up 3.6.2.2.1.4 Sozialliberalismus
 up 3.6.2.2.1.4.3 Sozialliberales Handeln

3.6.2.2.1.4.3.4 BEISPIEL: Sozialliberale Umweltpolitik

Seit rund zwanzig Jahren ist die ökologische Problematik zu einem politischen Kernanliegen geworden. Dabei setzte sich eine bestimmte Praxis ökologischen Handelns durch: Vor Ort werden nachhaltige Kreislaufwirtschaften gefördert, die nur das der Natur entnehmen wollen, was sie auch als Region zurückgeben können. Die Initiativen zur Förderung der Biolandwirtschaft wiederum setzten auf mündige KonsumentInnen, die die Mühen der Bauern mit einem höheren Preis belohnen. Die Analyse und Praxis ökologischen Handelns begnügt sich aber immer öfter damit, Ökologie als ein gesellschaftliches Teil-Problem zu sehen, das mit strukturellen Fragen nichts zu tun hat. Es gibt kaum einen Lehrgang über nachhaltiges Wirtschaften, der WTO-Freihandel oder EU-Binnenmarkt als Gefahr für die Nachhaltigkeit kritisiert. Es gibt zwar mit der Lokalen Agenda21 und dem Klimabündnis Initiativen, die „global denken – lokal handeln“ umsetzen wollen, es gab aber bis vor kurzem kaum Initiativen, die glokal denken und glokal handeln“. Lokale Veränderungsansätze sind zwar wichtig, in letzter Zeit jedoch haben sie viel von ihrer utopischen Kraft verloren, weil die Verbindung des Lokalen zum Globalen nicht mehr geleistet wird. Es wird Biofleisch gekauft und gleichzeitig das Dogma des EU-Binnenmarktes verteidigt; es werden Nebenbahnen verteidigt und gleichzeitig die Liberalisierung der Verkehrspolitik hingenommen. Eine engere Kopplung lokaler Aktivitäten an globale Prozesse wäre daher unabdingbar, damit nicht Strukturen als Sachzwänge wirksam werden können, die gute Projekte vor Ort abwürgen. Es gibt zwar intellektuelle Kritik an der durch die Finanzmärkte hervorgerufenen Beschleunigung. Diese Kritik zeigt, dass die Verwertungszeit von Finanzkapital viel kürzer ist als Erntezyklen. Die bestimmende Logik des Finanzmarktzinssatzes und die dort zu erzielende Rendite belastet ökologisch und sozial nachhaltige Wirtschaftsinitiativen schwer, die einen gänzlich anderen Zeithorizont haben. In Öko- und Sozialprojekten ist die Kritik an kapitalistischen Grundstrukturen aber weitgehend verstummt.

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