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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 3 Sozialwissenschaften
 up 3.6 Der didaktische Dreischritt
 up 3.6.2 SOLL: Konkrete Utopie
 up 3.6.2.2 Normative Entwicklungskonzepte
 up 3.6.2.2.1 Liberalismus
 up 3.6.2.2.1.4 Sozialliberalismus
 up 3.6.2.2.1.4.3 Sozialliberales Handeln

3.6.2.2.1.4.3.2 Projektkultur und fragmentiertes Wissen

Mit der Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung und Demokratie und Menschenrechten als politischer Ordnung scheint ein zivilisatorischer Endpunkt erreicht, der sich nun als Modell des global governance globalisiert. In den Zentren herrscht dieses zivilisatorische Endstadium schon, an der Peripherie gilt es dies noch umzusetzen. Damit wird die Politik aber nicht arbeitslos, und auch für Gesellschaftsgestaltung gibt es noch einen Raum, nämlich die lokale Anpassung und Ausgestaltung der global governance. Hierbei stellen Projekte die privilegierte Organsiationsform dar. Gesellschaftsgestaltung ist in diesem Sinne die kompetente Anwendung der besten international verfügbaren Projekte, der sogenannten Best Practice–Modelle.

Der Sozialliberalismus, der sich ja vom Neoliberalismus dadurch unterscheidet, dass er sich auch dem Sozialen widmet, führte in den 1990er Jahren zur Verbreitung der Projektkultur auf den vielfältigsten sozialen Feldern: Von der Entwicklungszusammenarbeit über die Sozialpolitik bis zur Wissenschaft. Sowohl die Projektkultur als auch die staatliche Planung basieren auf dem Positivismus. Im Unterschied zur staatlichen Planung, der es um die Gestaltung des Ganzen geht, beruht die Projektkultur auf einem fragmentierten Zugang zur Gesellschaft, der Lösungen immer nur für Teil-Probleme anzubieten hat. Das positivistische Denken strebt nach der vollkommenen Erkenntnis, die nur durch Detail- und Spezialwissen erzielbar ist. Wissenschaftsdisziplinen und Spezialistentum sind die Konsequenz. Aber auch in der Postmoderne gilt die Liebe dem Detail, der Fallstudie und dem lokalen Widerstand. Dies führt dazu, dass sich auf verschiedenen Feldern ExpertInnen herausbilden, die auf ihrem Gebiet kompetent sind. Sie können perfekte Teil-Erklärungen liefern. Sie erweisen sich aber in aller Regel als inkompetent, wenn es darum geht, ihre Teil-Erklärung für die Lösung komplexer Probleme nutzbringend anzuwenden.

Der Vormarsch der SpezialistInnen resultiert im Tod der GeneralistInnen. Allgemeinbildung und ganzheitliche Problemsichten werden gegenüber der disziplinären Kompetenz abgewertet. Das postmoderne Denken betont gegenüber dem Positivismus die Vielfalt der Problemzugänge. Von gänzlich anderen Überlegungen ausgehend fragmentiert es aber ebenso die Wirklichkeit, indem die verschiedenen Kulturen und Disziplinen als unvergleichbar nebeneinander bestehen bleiben. Auch hier wird der Dialog von Kulturen und Disziplinen, der fragmentiertes Argumentieren zusammenführt, unterbunden. Aus dieser Konzeptualisierung leitet sich auch eine Form von Politik ab, die sich auf Teilaspekte unter Ausblendung des Ganzen konzentriert.

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