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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 4 Wissenschaftstheorie
 up 4.2 Interpretative Sozialforschung
 up 4.2.1 Hermeneutik

4.2.1.2 Qualitative Methoden

Als Verfahren zur Datengewinnung werden mit der qualitativen Forschung hauptsächlich verschiedene Formen nicht-standardisierter Interviews verbunden. Das Spektrum qualitativer Methoden ist allerdings viel breiter. Es zählen auch noch verschiedene Beobachtungsverfahren, Diskussionsverfahren, nicht-reaktive Verfahren wie Dokumentenanalyse und biographische Verfahren dazu.

Bei qualitativen Methoden geht es um das Beschreiben, Interpretieren und Verstehen von Zusammenhängen, die Aufstellung von Klassifikationen oder Typologien und die Generierung von Hypothesen. Als Basis dienen der qualitativen Forschung meist wenige Fälle, weil das Vorgehen eher verstehend-induktiv als deduktiv-erklärend ist. Die qualitativ Forschenden gehen davon aus, dass während der Forschungspraxis neue Aspekte auftauchen, und sind daher offen für unerwartete Gesichtspunkte, die den Forschungsablauf, die angewendete Methode oder die Forschungsfrage umstukturieren.

Als wesentliches Prinzip der qualitativen Forschung gilt das Prinzip der Offenheit. Dieses Prinzip bezieht sich auf die Untersuchungsperson, den Untersuchungsgegenstand und auf die anzuwendenden Methoden. Die Hypothesenbildung wird zurückgestellt, d.h. es wird auf vorab formulierte und dann in der Untersuchung überprüfte Annahmen verzichtet. Die Hypothesen sollen erst auf der Grundlage der im Forschungsprozess erhobenen Daten entwickelt und empirisch überprüft werden. Durch die Offenheit sollen Veränderungen der Forschungsfrage, (z.B. Miteinbeziehung mehrerer Personen) der Methode (Wahl der Methode verändert sich im Laufe der Bearbeitung) und der Interpretation (verschiedene Varianten) ermöglicht werden.

Neben dem Prinzip der Offenheit wird im Rahmen qualitativer Forschung insbesondere dem Prinzip der Kommunikation besondere Bedeutung beigemessen. Forschung ist als Kommunikation und Interaktion zwischen ForscherInnen und zu Erforschenden zu denken. Weder die Informationen der Untersuchten noch die Urteile der ForscherInnen können als theorieunabhängige und verlässliche Aussagen über die Wirklichkeit betrachtet werden. Aus diesem Grund ist die kommunikative Interaktion zwischen ForscherIn und Erforschten unvermeidbar; es geht um das gegenseitige Aushandeln der Wirklichkeitsdefinitionen.

Als Merkmal qualitativer Forschung ist des weiteren ihr Prozesscharakter hervorzuheben, insofern als das Forschungsinteresse auf den Prozess der Konstitution von Wirklichkeit und von Deutungs- und Handlungsmuster gerichtet ist, mit deren Hilfe die Welt gedeutet und praktisch gehandhabt wird. Diesen Konstitutionsprozess von Wirklichkeit zu dokumentieren, analytisch zu rekonstruieren und schließlich durch das verstehende Nachvollziehen zu erklären, ist das zentrale Anliegen der interpretativen Soziologie.

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 down 4.2.1.2.2 Hypothesenbildendes Verfahren
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