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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 3 Sozialwissenschaften
 up 3.6 Der didaktische Dreischritt
 up 3.6.2 SOLL: Konkrete Utopie
 up 3.6.2.3 Die offene Utopie der Teilhabe

3.6.2.3.2 Freiheit

Freiheit ist die menschliche Fähigkeit, sein eigenes Leben und die Welt zu gestalten. Die antike Polis war der Raum der Freiheit. "Gleichheit, die in der Neuzeit immer eine Forderung der Gerechtigkeit war, bildete in der Antike umgekehrt das eigentliche Wesen der Freiheit: Freisein hieß, frei zu sein von der allen Herrschaftsverhältnissen innewohnenden Ungleichheit, sich in einem Raum zu bewegen, in dem es weder Herrschen noch Beherrschtwerden gab" (Arendt 1981: 34).

Im Liberalismus wird Freiheit verstanden als Autonomie und Unabhängigkeit. Es ist die Fähigkeit, das zu tun, was man will. Freiheit erschöpft sich demnach in der Abwesenheit von Zwang. Zwang ist in Regeln und Strukturen verkörpert und daher ist der Liberalismus eine "Bewegung, die ein Zuviel an Regierung vermeiden will" (Schmid 1991: 62). Je weniger Regeln desto mehr Freiheit, je spontaner, desto freier. In diesem Sinne gibt es ein Naheverhältnis zwischen dem anarchistischen und liberalen Freiheitsbegriff.

Sennett zeigt anhand des kindlichen Spiels den Fehler des liberalen Verständnisses von Freiheit auf. "Spiel ist für das Kind das genaue Gegenteil von spontanem Ausdruck" (Sennett 1990: 396). "Spielen erfordert Freiheit gegenüber dem Selbst; aber diese Freiheit läßt sich nur mit Hilfe von Regeln schaffen" (Sennett 1990: 401. Das Kind lernt beim Spielen, was es später beim Gestalten des Gemeinwesens und jedem strukturtransformierenden Handeln benötigen wird: Regeln sind keine unverrückbaren Wahrheiten, sondern Konventionen. Wenn ein Kind nur von Eltern und Erziehungseinrichtungen erzogen wird und nicht zu spielen lernt, dann wird es schwerlich StaatsbürgerIn werden können. "Die Eltern bringen ihm bei, den Regeln Folge zu leisten; das Spiel lehrt, daß die Regeln selbst veränderbar sind. ... Im Spiel schafft sich das Kind eine Umwelt, die es zu kontrollieren vermag" (Sennett 1990: 404f). Die Welt zu gestalten ist eine spielerische Angelegenheit.

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