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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 3 Sozialwissenschaften
 up 3.6 Der didaktische Dreischritt
 up 3.6.3 TUN: Schritte zur Teilhabe

3.6.3.2 Radikaler Reformismus

Das Konzept des radikalen Reformismus bildet den Ausgangspunkt der konkreten Schritte zur Umsetzung der Utopie der Teilhabe. Vor dem Hintergrund von Strukturanalysen ist Gesellschaftsveränderung ein langsamer und reflexiver Prozess, bei dem die Wissenden immer nur ein Teil einer umfassenderen Dynamik sind. PraktikerInnen und vor allem die unmittelbar Betroffenen vor Ort sind die zentralen SchauspielerInnen auf der Bühne realer gesellschaftlicher Prozesse. Sie machen Entwicklung und haben eine Vorstellung, was sie tun und warum sie es tun. Es gibt keine Entwicklung, ohne dass die AkteurInnen sich, ihr Denken und Handeln und ihr Lebensumfeld verändern. Dies ergibt sich aus der Einsicht in die Dialektik von Struktur und Handeln. Es ist der Entwurf einer anderen Art von Individualität und Freiheit, die nicht besitzbürgerlich verkürzt wird.

Strukturen und Handeln werden in Einem verändert, als zwei Momente eines dialektischen Prozesses. Daher bedarf es auch der Veränderung von Individuen Hand in Hand gehend mit anderen gesellschaftlichen Wertungen und einer anderen Weltsicht. Der radikale Reformismus bringt, wie dies Esser, Görg und Hirsch formulieren, die Intention zum Ausdruck, dass „die gesellschaftlichen Grundstrukturen einschließlich ihres materiellen Kerns, der Produktionsverhältnisse, Schritt für Schritt, beruhend auf den Erfahrungs-, Lern- und Selbstaufklärungsprozessen der Akteure und im Vertrauen auf ihre soziale Innovationsfähigkeit umgestaltet werden können. Das mag widersprüchlich klingen, ist es aber nur in kritischer Widerspiegelung der Widersprüche dieser Gesellschaft (Esser et al. 1994: 228). Die Zielsetzung des radikalen Reformismus ist revolutionär und utopisch, weil er eine andere Gesellschaft jenseits des Kapitalismus anstrebt. Das Vorgehen ist jedoch bescheiden, wissend um die Beharrungskraft verfestigter Strukturen. Weder das Kapital und damit wirtschaftliche Macht, noch der Staat und damit politische Macht, können einfach über Nacht abgeschafft werden. Die Vorstellungen von Esser et al. können als eine Form eines demokratischen Sozialismusbezeichnet werden.

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