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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 3 Sozialwissenschaften
 up 3.3 Geschichte

3.3.1 Zeit

Zeit ist vieldeutig: Wir können Zeit nur vergessen, indem wir sie nützen. Wir können nur wir selber bleiben, indem wir etwas tun: Essen, trinken, arbeiten, reden, ... Wir können nur Sein und Zeit still stehen lassen, indem wir uns Zeit nehmen, wenngleich auch immer nur für bestimmte Zeit. Das Wesen der Zeit wird der Veränderung zugeordnet, während der Raum als unveränderlich gilt.

Die Zeit symbolisiert den Wandel und die Veränderung, das Neue und das Experiment. Die Geschichte der Entdeckungen und der Erfindungen ruft genauso Bewunderung hervor wie technische Revolutionen und die aus dem Boden schießenden neuen Städte. Zeit bedeutet das Neue, eine neue Ernte, neues Leben, neue Erfahrungen und damit auch den Aufbruch zu neuen Ufern, zu neuen Räumen und Menschen. Zeit beinhaltet aber auch Unsicherheit und Zerstörung. Kein Bauwerk hält ewig, keine Beziehung, die nicht spätestens der Tod trennt.

Dem Sein als Zustand steht Werden als Prozess gegenüber, dem Sein als zeitlos das Werden als zeitgebunden, dem Sein als die Geborgenheit des Hier und Heute und das Werden als unsichere Zukunft . Dieses Spannungsverhältnis benennt ein existenzielles menschliches Problem genauso wie ein politisches und kulturelles. Geburt, Wachstum und Sterben benennt den Zyklus eines Menschenlebens. Menschen wissen, dass sie gleichzeitig sind und sich verändern, sich entfalten und dem Tod zustreben.

Dass Zeit wichtig ist, erfahren Gesellschaften, wenn sie mit komplizierter werdenden Prozessen konfrontiert werden. Wenn sich die Landwirtschaft bloß auf die ökologische Zeit eines Erntezyklus beziehen muss, wird „Zeit“ nicht zum Problem. Wenn aber neben der Landwirtschaft andere Aktivitäten erforderlich sind, steigt der Koordinierungsbedarf. So lange es sich bei diesen anderen Aktivitäten um solche der Hauswirtschaft handelt, ist die Vereinbarkeit relativ einfach. Historisch stellt oftmals die Einführung des kapitalistischen, nicht einzig den Eigenbedarf befriedigenden Handels die entscheidende Verkomplizierung dar. Das Nähen im Auftrag eines Händlers ist an eine nicht-ökologische Zeit gebunden und diese nicht-zyklische Zeit wird von mächtigen AkteurInnen eingefordert. Die Stoffe müssen zu einem Stichtag fertig sein, egal ob Erntezeit ist oder nicht. Die Zeit der Händler diktiert die Verfügbarkeiten für andere Aktivitäten. Zeiteinteilung wird zu einem Bestandteil wirtschaftlicher Aktivitäten; die Zeit, die für die nicht-hauswirtschaftlichen Aktivitäten bestimmt ist, ist von der restlichen Zeit verschieden. Es waren die Händler, die die Verfügbarkeit von Zeit entdeckten und zwar nicht nur der eigenen, sondern auch der Zeit Anderer, genauer ihrer Arbeitszeit.

 down 3.3.1.1 Zeit in der Moderne
 down 3.3.1.2 Zeit in der Postmoderne
 down 3.3.1.3 BEISPIEL: Zeit in der städtischen Entwicklung
 down 3.3.1.4 Zeit der Veränderung - Raum der Beharrung
 down 3.3.1.5 Auflöstung des Raums durch die Zeit
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