Geschichte ist eine Wissenschaft von und über die Zeit. Sie untersucht sozialwissenschaftliche Phänomene, wobei sie wie auch die Geographie mit dem Problem konfrontiert ist, nur ein zusätzliches Phänomen zu den wichtigen sozialen, politischen und ökonomischen Phänomenen zu behandeln. Zeit, genauso wie Raum, sind mit dem Sozialen wesensmäßig (ontologisch) verwoben. Es gibt kein Soziales ohne Zeit. Alles, jedes Phänomen, hat seinen Raum und seine Zeit, wodurch es sich von vermeintlich gleichen Phänomenen unterscheidet, die zu unterschiedlichen Zeiten bzw. an anderen Räumen stattfinden.
Es verwundert daher nicht, dass die Präferenz für Zeit oder Raum eine Entscheidung für eine bestimmte Art gesellschaftlicher Entwicklung beinhaltet. Wer dem Raum nahesteht, die oder der legt Wert auf das Sein, darauf, wie die Dinge waren, sind und bleiben sollen: Der Berg vor meinem Haus, die Weihnachtsfeiern im Dorf, der vertraute Duft der Blumen im Frühling. Die Nation verkörpert die Vergangenheit einer Schicksalsgemeinschaft, den Stammtisch vereinen die gemeinsamen Erlebnisse. Mit dem Raum wird das Immer-schon-Dagewesene verbunden.
Geschichte beschreibt den Wandel der Menschheit, Geographie ihren gegenwärtigen Zustand.
“Stellt man die Raum-Zeit-Problematik in den Mittelpunkt der Sozialtheorie, kommt man nicht umhin, erneut über die Grenzen zwischen Soziologie, Geschichtswissenschaft und Geographie nachzudenken” (Giddens 1988: 34f.). |