1968 ist eine wichtige ideologische Zäsur im 20. Jahrhundert. Diese progressive Bewegung in Kultur und Politik, die später den Namen Postmoderne bekam, erschütterten die Grundfesten des politökonomischen Kompromisses der Nachkriegszeit. Der Fordismus und die nationalstaatszentrierte Entwicklungsweise gerieten in die Krise.
Die Studentenbewegung kritisierte sowohl Ordnung als auch Fortschritt und war insofern eine politische Bewegung gegen die gesellschaftlichen Werte des Positivismus. Sie kritisierte aber auch jegliche Autorität, die sich einzig auf Tradition berief, insofern war sie eine Bewegung, die mehr gesellschaftliche Rationalität und die Herrschaft unter Rechtfertigungszwang stellte. Schließlich war die Postmoderne eine Bewegung, die sich gegen die voranschreitende Vereinheitlichung durch die Durchrationalisierung der Gesellschaft wandte. Eigenständigkeit und Respekt vor der Vielfalt rückten ins Zentrum der Sorge um das gute Leben. Es sei allen Menschen, auch den Benachteiligten am meisten gedient, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Wenn von außen nicht in Gemeinschaften und Räume hineinregiert und –interveniert werde, kann dies nur gut sein. „Lasst uns spielen, und lasst uns dies in Frieden tun“, so die postmoderne Botschaft, die von den Blumenkindern bis zur Love-Parade für einen Teil der Alternativbewegung handlungsleitend werden sollte.
Die widersprüchlichen Entwicklungen, die nach 1968 zu beobachten sind, können nicht alle der 68er-Bewegung angelastet werden. Umgekehrt wäre es aber genauso naiv zu glauben, dass zwischen dieser kulturellen Revolution und den politökonomischen Veränderungen keinerlei Zusammenhang bestehe. Die widersprüchlichen Entwicklungen wurzeln nicht zuletzt in der Ambivalenz der theoretischen Positionen der 68er. Am besten können die vielfältigen Strömungen und Zielsetzungen mit dem Begriff Postmoderne zusammengefasst werden. Damit können bei aller Unterschiedlichkeit eine Reihe von Gemeinsamkeiten beschrieben werden. |