Ökonomische Theorien werden in der politischen Auseinandersetzung benutzt und von den Feinheiten kritisch-ausgewogenen Argumentierens befreit. So begründen heute die BefürworterInnen des freien Handels, wie etwa die WTO (World Trade Organisation), den eigenen Standpunkt mit den Hinweis auf “die ökonomische Theorie”. Es heißt, Freihandel sei die beste und für alle wünschenswerte Lösung. Ökonomische Standardlehrbücher (auch in neoklassischer Tradition) zeigen jedoch, dass dies eher dogmatisch als wissenschaftlich ist: “We need to realize that economic theory does not provide a dogmatic defense of free trade, something that is often accused of doing” (Krugman/Obstfeld 1997: 230).
Es erfolgt daher in öffentlichen Diskursen eine verkürzte und selektive Aufnahme von Aspekten bzw. Fragmenten ökonomischer Theorien, die aber nicht dem Zufall, sondern gesellschaftlichen Interessen folgt. Welche Aspekte der Theoriebildung wann und wie in Diskurse aufgenommen werden und als Basis für gesellschaftliche Praxen dienen hängt also eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen. Gesellschaftliche Entwicklungen und Strukturen haben ihrerseits eine erhebliche Auswirkung auf den Theoriebildungsprozess. |