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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 3 Sozialwissenschaften
 up 3.6 Der didaktische Dreischritt

3.6.2 SOLL: Konkrete Utopie

Der zweite Schritt im didaktischen Dreischritt von Ist, Soll und Tun ist das gemeinsame Erarbeiten einer umsetzbaren Utopie.

Eine konkrete Vision (Utopie) liefert eine konkrete Vorstellung davon, wohin sich die Welt entwickeln könnte. Sie entsteht in einem kollektiven Prozess, in und aus der Praxis von Menschen. Es ist eine Utopie, die von der Zeit, in der wir leben, ihren Problemen, Hoffnungen und Widersprüchen ausgeht. Es ist eine Utopie, die erst formuliert werden kann, nachdem eine Konjunkturanalyse vorliegt. Sie ist eine Orientierung für das eigene Handeln und Hilfe zur Bewertung des Bestehenden. Sie orientiert sich an gegenwärtiger und vergangener Praxis und nimmt Bezug auf eine existierende soziale und politische Bewegung.

Die Zukunft wird auch davon bestimmt, was sich Menschen erwarten und erhoffen: In welchem Haus wollen wir wohnen? Wie schaut es aus; aus welchem Material ist es erbaut und wie viele Stöcke soll es haben? Welche Wohnung wünsche ich mir und wie richte ich sie mit meiner Familie oder FreundInnen ein? Utopien, Visionen und Träume regen die Phantasie an und erlauben, sich etwas Anderes als die Fortführung des Bestehenden zu erwarten. Wiewohl heute die Phantasie nicht an der Macht ist und das bestehende globale Haus als das Maß aller Dinge gilt, ist es lohnenswert, sich auch andere Häuser und Welten auszumalen.

Boa Vista-Bahia

Der weltweit zu beobachtende Utopieverlust liegt wesentlich an der Weigerung, das Bestehende als etwas Gewordenes zu sehen und von der Zukunft etwas Anderes als die Fortschreibung des Bestehenden zu erwarten. Genau diese Gegenwartsfixierung unserer Gesellschaft gilt es zu kritisieren, und das Interesse an der Vergangenheit rührt nicht zuletzt daher, von der Zukunft noch etwas zu erwarten. In diesem Sinne schaffen historisch-geographische Analysen erst die Voraussetzungen, um Utopien entwerfen zu können. Gegen die besitzbürgerliche Selbstzufriedenheit des sozialliberalen Establishments wenden sich die folgenden Überlegungen vorrangig an diejenigen, die sich noch eine andere Zukunft erhoffen – weil sie sich als Teil eines größeres Ganzen sehen, weil sie Ungerechtigkeit nicht für natürlich halten, weil sie ihr eigenes Wohlbefinden auch in Beziehung zum Wohlbefinden anderer stellen.

 down 3.6.2.1 Technokratische Utopien
 down 3.6.2.2 Normative Entwicklungskonzepte
 down 3.6.2.3 Die offene Utopie der Teilhabe
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