Macht bildet einen sozialwissenschaftlichen Schlüsselbegriff, der auch für politökonomische Analysen bedeutsam ist. Die Machttheorie unterscheidet drei Konzeptualisierungen:
1.) Der Machtmechanik folgend rührt Macht aus der Verfügung über Ressourcen. Es ist ein handlungstheoretisches Konzept und bevorzugt Sozialtechniken als politische Intervention.
2.) Macht kann aber auch als Kontrolle der (Spiel-)Regeln definiert werden. Entzieht sich die Erstellung der Regeln dem Handlungszugriff, dann führt dies zu einem verfestigten Machtbegriff, der Macht einzig als Struktur zu versteht. Dies führt dazu, die Mächtigkeit von Strukturen zu überschätzen.
3.) Die Integration von handlungs- und strukturtheoretischen Ansätzen wird mit dem Konzept der Konstruktion von Macht möglich. Macht entsteht in der Dialektik von Struktur und Handeln.
Strukturen sind keineswegs Sachzwänge, die unabänderlicher Bestandteil unseres Schicksals seien. Vielmehr werden Sachzwänge durch politische Entscheidungen produziert und sind durch freie Entscheidungen mächtiger Gruppen veränderbar. Macht zu haben erlaubt zu gestalten, daher wird es zur politischen Schlüsselfrage, wer jeweils mächtig ist. Wenn Strukturen durch Menschen gemacht werden, wie indirekt auch immer, dann hat dieses menschliche Handeln Bedeutung und dann gilt es, strukturtransformierende Formen von Handeln zu finden. Entwicklung als Freiheit und Befreiung zu definieren rückt somit die Frage der Macht ins Zentrum der Analyse und erfordert Ermächtigung. |