Logo
Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
Home
Sitemap
Vorherige
Nächste
 up 2 Ökonomische Theorien
 up 2.2 Neoklassik
 up 2.2.5 Grundbegriffe der Neoklassik

2.2.5.4 Grenzdenken

‚Ökonomen denken im Grenzbereich‘. Diese verbreitete Weisheit der Mikroökonomie ist gleichzeitig eine ihrer wichtigsten Lehren. Die Entwicklung der neoklassischen Ökonomie ist ohne die Einführung der Idee des subjektiven Nutzens, der bei fortgesetzter Befriedigung eines Bedürfnisses oder Verlangens gegen Null geht, nicht möglich. Die Idee beruht auf der Differenzialrechnung: Bei der Kurvendiskussion ist nicht so sehr die absolute Position eines Punktes entscheidend, sondern die Veränderung der Steigung in diesem Punkt. Ebenso interessieren sich Mikroökonomen nicht für den absoluten Nutzen, den Schokolade einer Konsumentin bringt, sondern um den Nutzen eines weiteren, des jeweils letzten zu konsumierenden Stückes Schokolade.

Die Idee der Ende des 19. Jahrhunderts begründeten Grenznutzenschule ist, dass bei fortgesetztem Konsum eines bestimmten Gutes dessen Reiz für das nutzenmaximierende Individuum abnimmt: Auf die erste Tafel Schokolade verspürt man noch Heißhunger, die dritte innerhalb einer halben Stunde verursacht eher Übelkeit. Dieses Grenzdenken lässt sich, zumindest wenn man ÖkonomIn ist, prinzipiell auf sämtliche Lebensbereiche ausdehnen. Rationale Individuen streben bei der Befriedigung ihrer Konsumwünsche nach einem Ausgleich des Grenznutzen der letzten konsumierten Einheiten sämtlicher Güter. Wäre der Grenznutzen eines Gutes höher als bei allen anderen, würde es sich im Sinne der Maximierung des Gesamtnutzens bezahlt machen, mehr von diesem zu konsumieren und auf andere zu verzichten. Durch den Mechanismus des abnehmenden Grenznutzens ergibt sich die am Markt wirksam werdende Nachfrage nach einzelnen Gütern.

Auf dem Markt treffen das Optimierungskalkül des Grenznutzens und des Grenzprodukts in Form von Angebot und Nachfrage aufeinander und werden über den Marktpreis ausgetauscht. Auf diese Weise wird in der mikroökonomischen Theorie sichergestellt, dass jeder Produktionsfaktor dort eingesetzt wird, wo er die größte Produktivität aufweist und jeder Output von jenem Individuum konsumiert wird, dem er den größten Nutzen bringt.

 down 2.2.5.4.1 Nutzen
 down 2.2.5.4.2 Präferenzen
 down 2.2.5.4.3 Konsumentensouveränität
Hilfe Seitenanfang
Home Sitemap Suche Bilder Vorherige Nächste

Letzte Aktualisierung dieser Seite:
Öffne externe Links in neuem Fenster?

© Copyright "Lateinamerika-Studien Online"