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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 2 Ökonomische Theorien
 up 2.3 Keynesianismus
 up 2.3.4 Grundbegriffe des Keynesianismus
 up 2.3.4.3 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR)

2.3.4.3.4 Zahlungsbilanz

Die Zahlungsbilanz ist eine Nebenrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Sie fasst alle außenwirtschaftlichen Transaktionen einer Volkswirtschaft innerhalb einer Periode in wenigen Teilbilanzen zusammen. Die österreichische Zahlungsbilanz gliedert sich in folgende Teilbilanzen:

1 Leistungsbilanz

1.1 Güter

1.2 Dienstleistungen

1.3 Einkommen

1.4 Laufende Transfers

2 Vermögensübertragungen

3 Kapitalbilanz

3.1 Direktinvestitionen

3.2 Portfolioinvestitionen

3.3 Sonstige Investitionen

3.4 Finanzderivate

3.5 Offizielle Währungsreserven

Die beiden großen Positionen stellen also die Leistungsbilanz und die Kapitalbilanz dar. In der Leistungsbilanz werden insbesondere die Handelsströme und Einkommensüberweisungen erfasst, die Kapitalbilanz beinhaltet die Übertragungen von Kapital. Insgesamt muss die Zahlungsbilanz ausgeglichen sein. Importiert ein Land mehr als es exportiert, muss es entweder für ein ausreichendes Maß an Investitionen aus dem Ausland sorgen, oder sich über Kreditaufnahme im Ausland verschulden. Der Nachteil dieser Strategie ist, dass in beiden Fällen das Defizit in der Leistungsbilanz weiter zementiert wird, weil heutige Auslandsinvestitionen und Kredite die zukünftigen Einkommensflüsse aus Vermögen ins Ausland erhöhen. Das Land muss also immer größere Teile des eigenen Einkommens ins Ausland überweisen. Eine chronisch defizitäre Leistungsbilanz ist primär ein Problem peripherer Länder, die von hochwertigen Industrieprodukten aus dem Ausland abhängig sind und für ihre Güter nur beschränkte Exportchancen vorfínden.

In den 1960er und 1970er Jahren versuchte man in Lateinamerika, durch Importsubstitution (also dem Aufbau eigener Industrien) dieser Problematik zu entkommen. Wurden diese Bemühungen in den 70er Jahren noch durch den Kapitalüberschuss mit billigen Zinssätzen unterstützt, so kamen die Länder der Peripherie spätestens mit der enormen Erhöhung der internationalen Zinssätze und der folgenden Schuldenkrise in den 1980er Jahren wieder unter enormen Druck. Wie seit den Finanzkrisen Ende der 1990er Jahre zu beobachten ist, bestimmt die Abhängigkeit von Kapitalimporten entscheidend die Wirtschaftsentwicklung und – politik in den Ländern der Peripherie.

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