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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 2.2.5.5 Markt
 up 2.2.5.5.4 Marktversagen

2.2.5.5.4.4 Öffentliche Güter

Öffentliche Güter sind Güter, nach denen zwar eine gesellschaftliche Nachfrage besteht, für die aber dennoch auf privaten Märkten meist kein Angebot zustande kommt. Sie stellen also eine Form des Marktversagens dar und rechtfertigen auch in der mikroökonomischen Theorie einen Eingriff des Staates ins Marktgeschehen bzw. staatliche Bereitstellung.

Öffentliche Güter sind durch zwei charakteristische Merkmale gekennzeichnet, die die marktmäßige Bereitstellung verhindern:

  • Wird das Gut bereitgestellt, so ist damit die gesamte Marktnachfrage abgedeckt (nicht-Ausschließbarkeit vom Nutzen).
  • Es herrscht (zumindest im Bereich normaler Beanspruchung) keine Konkurrenz im Konsum.
  • Als Beispiele werden meist öffentliche Gehwege, eine örtliche Feuerwehr oder auch die nationale Landesverteidigung genannt. Doch auch Bildung weist die Charakteristika eines öffentlichen Gutes auf, profitiert doch im Allgemeinen die gesamte Gesellschaft eines Landes von gebildeten BürgerInnen, während die Weiterbildung einer Staatsbürgerin die Bildungsmöglichkeiten ihres Nachbarn nicht beeinträchtigt.

    Dorf, Jericoacoara, Brasilien

    Als größtes Problem der staatlichen Bereitstellung öffentlicher Güter gilt, dass die Entscheidung über Art und Umfang des Angebots gesellschaftlich entschieden werden muss. Öffentliche Güter erfordern demokratische Entscheidungsverfahren. Einzelne BürgerInnen würden aber den Anreiz verspüren, ihr Interesse am Gut nicht offenzulegen, um sich nicht an den Kosten beteiligen zu müssen. Konkret drückt sich die Nachfrage nach öffentlichen Güter in den periodischen Wahlentscheidungen aus, wo beispielsweise über die Ressourcenverteilung zu den Gütern Bildung und Landesverteidigung entschieden wird.

    Das Konzept meritorischer Güter ist mit der Idee öffentlicher Güter verwandt. Sie sind Güter, die zwar auch auf privaten Märkten bereitgestellt werden könnten, deren Angebot aber dennoch seitens des Staates unterstützt wird, weil eine möglichst umfassende Versorgung mit dem Gut als gesellschaftlich sinnvoll erachtet wird. Ein oft genanntes Beispiel der ökonomischen Literatur sind Schutzimpfungen gegen übertragbare Krankheiten: Grundsätzlich könnte man die Versorgung mit medizinischer Prophylaxe auch den individuellen Präferenzen der BürgerInnen überlassen. Da allerdings von einem Informationsgefälle in der Gesellschaft auszugehen ist, kann der Staat durch verschiedenste Instrumente (von Aufklärung bis Zwang) eingreifen, um einen möglichst flächendeckenden Schutz sicherzustellen.

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