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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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2.3.8 Bretton Woods System

Das System geht ursprünglich auf eine Idee von John Maynard Keynes zurück, der sein wirtschaftspolitisches Ideal einer gesteuerten Wachstumsökonomie auch auf globaler Ebene umsetzen wollte. Sein Vorschlag zur Umsetzung dieser Ziele beruhte auf vier institutionellen Säulen:

  • Der Errichtung einer ‚Weltzentralbank‘, die für globale Liquiditätssteuerung und die Unterstützung von Ländern mit Exportüberschuss (also jene, die die Weltwirtschaft stabilisieren) verantwortlich ist (er schlug dafür die Schaffung der Weltwährung ‚Bancor‘ vor),
  • eines ‚Fonds für Wiederaufbau und Entwicklung‘, der geförderte Kredite für einkommenschwache Länder zur Verfügung stellt,
  • einer Internationalen Handelorganisation, die insbesondere für die Preisstabilität der Primärgüterexporte sorgt sowie
  • eines institutionalisierten ‚soft aid programme‘ in der Nähe der Vereinten Nationen, über das primär nicht rückzahlbare Zuschüsse vergeben werden sollten.
  • Realiter wurde am 27.7.1944 in Bretton Woods (daher die Bezeichnung als Bretton-Woods Institutionen) die Gründung von zwei internationalen Organisation, nämlich der ‚Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung‘ (IBRD oder ‚Weltbank‘) und des ‚Internationalen Währungsfonds‘ (IWF) beschlossen. Die Rolle der Bank wurde also einem Fonds zugewiesen, jene des Fonds einer Bank. Auf die Gründung der restlichen beiden Organisationen wurde anfangs verzichtet, die Beeinflussung des Welthandels aber durch die Institutionalisierung des ‚General Agreement on Tariffs and Trade‘ (GATT) in der Havanna Charta 1948 nachgeholt. Das GATT wurde erst am 1.1.1995 mit der Gründung der ‚Welthandelsorganisation‘ (WTO) in einen eigenen organisatorischen Rahmen überführt. Das GATT war von Anfang an auf eine Liberalisierung des Welthandels durch die sukzessive Senkung von Zöllen und den Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse ausgerichtet.

    Wesentlichste Zielsetzung von Bretton Woods war die Neuordnung der Weltwirtschaft und Unterstützung des Handels durch ein stabiles internationales Währungsregime (Bretton Woods System) mit festen Wechselkursen und dem US-Dollar als Leitwährung. Die wichtigsten Bestandteile dieses Systems waren:

  • Volle Konvertibilität des US-Dollar in Gold bei einem Kurs von 35 US$ pro Unze Gold (die US Notenbank war also verpflichtet, Dollar zu diesem Kurs zu kaufen bzw. zu verkaufen),
  • Verpflichtung der restlichen Zentralbanken, durch Interventionen auf den Devisenmärkten den Kurs ihrer eigenen Währungen innerhalb der festgelegten Bandbreite zu halten,
  • Kreditvergabe des IWF bei vorübergehenden Zahlungsbilanzproblemen,
  • Anpassung der Paritäten bei dauerhaften Zahlungsbilanzschwierigkeiten.
  • Das Bretton Woods System brach zusammen, als der US-Dollar gegen Ende der 1960er Jahre nur noch sehr begrenzt dazu in der Lage war, seine Funktion als Leitwährung zu erfüllen. Durch die hohen Finanzierungserfordernisse des Vietnam-Kriegs verfolgten die USA eine inflationäre Politik, die die anderen, in ihrer Souveränität eingeschränkten Notenbanken nicht mehr mittragen wollten. Gleichzeitig stellten die USA die volle Konvertibilität des US-Dollar in Gold zunehmend in Frage, hatten sie doch ihre Rolle als unumstrittener Hegemon der Weltwirtschaft durch den schnellen wirtschaftlichen Aufholprozess der europäischen Länder und Japans teilweise eingebüßt. Darüber hinaus schwankten aufgrund der ungenauen Regelung, wann die einzelnen Paritäten seitens der beteiligten Länder angepasst werden dürften, die Wechselkurse in immer größeren Breiten. 1971 gab der US-Präsident das endgültige Ende der vollen Gold-Konvertibilität des Dollar bekannt. In den folgenden Jahren entschieden sich daher die meisten Länder zur völligen Freigabe ihrer Wechselkurse, manche gingen untereinander neue Bindungen ein (z.B. die Bindung des österreichischen Schilling an die Deutsche Mark). Mit den 1970er Jahren nahm man also von der Hoffnung eines stabilen internationalen Währungsregimes bis auf Weiteres endgültig Abschied.

    Nationalpark Chapada Diamantina, Bahia, Brasilien

    Heute werden die Relikte der in Bretton Woods getroffenen Vereinbarungen zur Neuordnung der Weltwirtschaft in Form der beiden Bretton-Woods-Institutionen Weltbank und IWF sowie der aus dem GATT entstandenen WTO für ihr sukzessives Abweichen vom solidarischen und stabilisierenden Ursprungsgedanken Keynes‘ scharf kritisiert. Sowohl Weltbank als auch IWF binden ihre Kreditvergabe immer stärker an Konditionen, die in den Augen vieler die Möglichkeiten der Stabilisierung des internationalen Wirtschaftssystems zusätzlich unterminieren, indem sie sich gegen staatliche Interventionen aussprechen und dem Zeitgeist entsprechend primär auf wirtschaftsliberalen Überlegungen basieren. Die einzelnen Positionen zum eingeforderten Wohlverhalten seitens der Kreditnehmer wurden unter dem Begriff ‚Washington Consensus‘ zusammengefasst. Die WTO vertritt darüber hinaus bei der Liberalisierung des Welthandels primär die Interessen der Industrieländer. Liberalisierung wird auf jenen Märkten eingeklagt, wo sich die Industrieländer Absatzpotenziale für ihre Güter erhoffen oder Investitionsmöglichkeiten für überschüssiges Finanzkapital erwartet werden. Demgegenüber unterliegen die Märkte für landwirtschaftliche Erzeugnisse nach wie vor starken Protektionen.

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