Furtado übte öffentliche Ämter ausschließlich in Zeiten aus, in denen Brasilien von demokratisch gewählten Präsidenten regiert wurde.
1960 übertrug ihm Präsident J. Kubitschek die Leitung der SUDENE, die eine regionale Entwicklungspolitik als Alternative für die Lösung der wirtschaftlichen Probleme Brasiliens anstrebte. Dieses Vorhaben sollte nicht nur die nationale Wirtschaft aus der Stagnation herausholen, sondern ihr auch eine neue bislang nicht gekannte Fortschrittsdynamik verleihen. Dieser große Sprung vorwärts in der Industrialisierung wurde von einem weiteren Projekt ergänzt: Die Verlegung der Hauptstadt in einen menschenverlassenen Winkel des Landes, die als Anstoß für die volle Miteinbeziehung des brasilianischen Landesinneren diente. Der Bau Brasilias war ein Werk, das nicht ohne Schwierigkeiten und Kontroversen blieb.
Goulart versuchte, seine Regierung auf eine breitere Basis zu stellen, indem er die Unterstützung der bis dahin noch nicht politisch mobilisierten Bevölkerung vorantrieb. Unter den ergriffenen Fördermaßnahmen war die Erteilung des Wahlrechts an die Soldaten und die gewerkschaftliche Organisation der Unteroffiziere des Heeres; letzteres wurde von den Offizieren als alarmierend befunden und trug zur Schwächung der Bindung des sogenannten gesetzestreuen Teiles an die Verfassungsordnung bei. Als Ergänzung zu dieser Maßnahme wurde vorgeschlagen, den Analphabeten das Wahlrecht zu erteilen, nach der vorhergehenden Legalisierung der gewerkschaftlichen Organisation der Landarbeiter und dem Beschluss eines Programms zur Agrarreform; mit diesen Maßnahmen hoffte man, die traditionellen in der Landwirtschaft verankerten politischen Mächte, sowohl in den Landesregierungen wie auch im Bundeskongress, zu zerschlagen. Die Eingliederung dieser Themen in die Agenda des Präsidenten hatte den Widerstand der Mächtigen, die sich bedroht fühlten, zur Folge. 1964 unterbrach der Militärputsch diese Entwicklung.
1967 (weiterhin unter einem autoritären Regime) zeichnete sich eine wirtschaftliche Erholung ab, welche zwei Jahre später zum sogenannten “milagre brasileiro” (“Brasilianisches Wunder”) führte. Das Wirtschaftswachstum Brasiliens zählte nicht nur zu den höchsten der Welt, sondern es entstand auch eine reife und komplexe industrielle Struktur. Dieses Wachstum verschärfte aber einzig die wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten, die das Land bis dahin gekennzeichnet hatten. Das Ende dieser wirtschaftlichen Expansion begann sich gegen 1973 mit der weltweiten Energiekrise abzuzeichnen. Die Erhöhung des Ölpreises verursachte ein starkes Ungleichgewicht in der Zahlungsbilanz. Der dadurch erzeugte Druck wurde durch die Aufnahme von Krediten mit niedrigen Zinsen kurzfristig aufgeschoben; die durch die Gewinne aus dem Erdöl ermöglicht wurden. Die Auslandsverschuldung nahm zu, aber ebenso wuchs die Wirtschaftsleistung zwischen 1974 und 1978, zwar langsamer als in den besten Jahren des “Milagre”, aber dennoch mit sehr respektablen Raten. 1979 bereitete die Erhöhung der internationalen Zinsraten der großen wirtschaftlichen Expansion Brasiliens ein Ende, es wechselten sich Perioden starker Konjunkturrückgänge mit einigen leichter Erholung ab, bis es 1982 Brasilien beinahe unmöglich wurde, neue Kredite von den internationalen Kapitalmärkten zu erhalten, und die Aussetzung der Rückzahlungen der Auslandsverschuldung zu einer unmittelbaren Gefahr wurde.
In den achtziger Jahren gibt man mit der Schuldenkrise den Aufbau eines nationalen Wirtschaftssystems auf der Grundlage der Dynamik des internen Marktes auf, das fast ein halbes Jahrhundert lang dazu beigetragen hatte, die nationale Einheit zu konsolidieren.
Die wirtschaftlichen Nöte gaben der Opposition neue Kraft; sie bewirkte die Ausrufung von Neuwahlen und damit die Wiederherstellung der Demokratie in den 1980er Jahren. Im wirtschaftlichen Bereich wurden neoliberale Vorgehensweisen umgesetzt, die von internationalen Organisationen wie IWF und Weltbank empfohlen worden waren. |