Die Produktion und Diffusion von Theorien ist eine Form gesellschaftlicher Praxis. Die Wirksamkeit und Verbreitung von Theorien hängt nicht nur davon ab, ob sie “richtig” sind, sondern davon, ob es einflussreiche gesellschaftliche Interessen gibt, die sich der Weltsicht bedienen, die bestimmte Theorien anzubieten haben. Wissen und Macht sind verwoben.
Ökonomische Theoriebildung ist aber nicht einfach mit gesellschaftlichen Diskursen gleichzusetzen. Vielmehr werden aus dem breiten und in viele Unterdisziplinen ausdifferenzierten ökonomischen Theoriegebäude nur bestimmte Aspekte bzw. Sichtweisen in öffentliche Diskurse aufgenommen. Diese öffentlich aufgegriffenen Theorieversatzstücke werden von TheoretikerInnen in der Regel als unsaubere Vereinfachungen abgelehnt. Es sind aber gerade diese simplen Zusammenhänge von Freihandel und Wohlstand, von Unternehmerförderung und Wachstum usw., die zur Grundlage sowohl des Alltagsverständnisses der Menschen von Ökonomie als auch von wirtschaftspolitischen Entscheidungen werden.
Ökonomische Theoriebildung, sofern sie sich auf den akademischen Raum beschränkt, ist in aller Regel differenzierter. In der Tradition des Kritischen Rationalismus stehend werden für und wider von Freihandel und Liberalisierung abgewogen. Nur selten werden in Fachzeitschritfen einfache Lösungen gleichsam als Kochrezepte angeboten. Als KonsulentInnen und öffentliche BeraterInnen werden aber oftmals die selben ÖkonomInnen sehr wohl politikwirksam: Sei es bei der Begründung von Sparprogrammen oder von Deregulierungsmaßnahmen. Ökonomische Expertise außerhalb des geschützten universitären Raumes mangelt es deshalb oftmals an der Bereitschaft zum kritischen Abwägen von Argumenten.
Es sind dann bestimmte, gesellschaftlich vorherrschende Meinungen, die durch passende diskursive Grundmuster in der ökonomischen Theoriebildung legitimiert werden. Es können sich das Handeln strukturierende Dispositive herausbilden. Die Komplexität ökonomischer Zusammenhänge und die Unmöglichkeit exakte Gesetzmäßigkeiten zu entwerfen, erleichtert dies. So legitimierte die ökonomische Theorie jahrzehntelang die Notwendigkeit von Wirtschaftsplanung mit der selben Selbstverständlichkeit, mit der sie heute für Freihandel und ausgeglichene Budgets wirbt. ÖkonomInnen passen sich also oftmals dem an, was gesellschaftlich gewünscht ist. |