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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 2 Ökonomische Theorien
 up 2.1 Ökonomische Theorie als Diskurs

2.1.1 Theoriegeschichte

Ökonomische Theorien sind nicht einzig in theoretischer, sondern ganz wesentlich auch in politischer Hinsicht interessant. Um die politischen Implikationen ökonomischer Theorien herauszuarbeiten, müssen die vorherrschenden Paradigmen klar dargestellt und eine kritische Auseinandersetzung mit den grundlegenden Konzepten der Wirtschaftswissenschaften vorgenommen werden.

Um die Verortung des Denkens in der Gesellschaft verständlich zu machen, ist ein theoriegeschichtlicher Zugang notwendig. Ökonomische Theorien und Ideen werden in ihrem jeweiligen historischen und geographischen Kontext verortet. Für diesen wurden sie entworfen, wiewohl sie durchaus in andere Kontexte, für andere Zielsetzungen und anderen Interessen dienend, weiterverwendet werden können.

ÖkonomInnen haben mit ihrem Denken unser Leben entscheidend beeinflusst. Seit dem 18. Jahrhundert versuchen Menschen, den Kapitalismus als eine neue und komplexe Gesellschaft zu verstehen. Diese Männer, Frauen gibt es nur ganz wenige, sind Ahnherren einer Denktradition, die die Welt verändert hat. Die Entwicklung der Produktivkräfte und eine beeindruckende Warenvielfalt sind materielle Errungenschaften des Kapitalismus, als zivilisatorisches Projekt ist der Siegeszug des Kapitalismus aber umstritten. Viele sahen den wirtschaftlichen Fortschritt nicht als Garanten, ja sogar in Widerspruch zu einer Entwicklung zu Freiheit und Gerechtigkeit.

Die ökonomische Theorie entstand als eine politische Ökonomie im Zuge der Reflexion über die massiven Umwälzungen, die die industrielle Revolution und der Kolonialismus hervorgerufen hatte - von der Warte der Moral aus wie der Philosoph Adam Smith, im Zusammenhang mit literarischen Schriften wie Daniel Defoe, Autor von Robinson Crusoe, als Börsenspekulant wie David Ricardo, bis hin zum am Hungertuch nagenden Journalisten Karl Marx. Allen war gemein, dass sie keine wirtschaftswissenschaftlichen Lehrstühle innehatten und sich trotzdem mit Ökonomie befassten. Es war dies die Phase vor-disziplinären wissenschaftlichen Denkens. Die Art und Weise, wie sie sich mit wirtschaftlichen Fragen beschäftigten, war durch einen breiten und ganzheitlichen Zugang geprägt.

Dies änderte sich, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Reihe von Ökonomen Hochschulprofessoren wurden. Die Lehre von der Ökonomie wurde akademisch und sozial anerkannt. Technisch einwandfrei, d.h. mathematisch korrekt, zu argumentieren wurde zum entscheidenden Qualitätskriterium einer immer mehr nach innen gerichteten Disziplin. Bestimmend wurde die neoklassische Theorie.

Erst mit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren war diese Theorie - die staatlicher wirtschaftlicher Lenkung negativ gegenüberstand - diskreditiert. Der Weg für den Durchbruch einer neue Theorie - den nach John M. Keynes benannten Keynesianismus - war frei. Diese Theorie forderte systematische Staatseingriffe zur Bekämpfung von Konjunkturschwankungen und Arbeitslosigkeit und lieferte auch eine ökonomische Begründung für Umverteilung und Wohlfahrtsstaat.

Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die wirtschaftswissenschaftliche Disziplin rasant. Dementsprechend viele Beiträge wurden in diesen Jahrzehnten geliefert, die drei Paradigmen zugeordnet werden können:

  • der Neoklassik
  • dem Keynesianismus
  • der politischen Ökonomie
Während der Keynesianismus die Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg dominierte, traten seit den 1970er Jahren wieder stärker neoklassisch orientierte Perspektiven in den Vordergrund. Insbesondere der Monetarismus gewann an Einfluss.

Neben diesen dominanten theoretischen Entwicklungslinien erneuerte sich auch das marxistische Denken. Die Zusammenschau von Ökonomie und Politik wurde im Zuge der Regulationstheorie in einen neuen Rahmen gestellt.

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