Logo
Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
Home
Sitemap
Vorherige
Nächste
 up 4 Wissenschaftstheorie
 up 4.1 Positivismus
 up 4.1.3 Rationalität

4.1.3.6 Mathematisierung

Die Methode logischen Denkens ist die Mathematisierung, die auf exakte Weise logische Zusammenhänge erfasst. Komplexe empirische Phänomene werden auf lineare Zusammenhänge reduziert. Dies geschieht mittels komplizierter mathematischer und statistischer Methoden. Es wird versucht, diese Zusammenhänge mittels Theorien zu ordnen. Aus Regelmäßigkeiten wird auf Kausalitäten, d.h. Ursache-Wirkungs-Beziehungen geschlossen.

"Gemäß der formalen Logik ist das Ganze gleich der Summe seiner Einzelteile. Dies hält jedoch einer näheren Überprüfung nicht stand. Bei lebenden Organismen z.B. ist dies offenkundig nicht der Fall. Ein in einem Labor in Stücke geschnittener und in seine Bestandteile zerlegter Hase ist kein Hase mehr. Die Verfechter der Chaos- und Komplexitätstheorie haben diese Tatsache begriffen. Während die klassische Physik mit ihren linearen Systemen davon ausgeht, dass das Ganze genau der Summe seiner Einzelteile entspricht, verficht die nicht-lineare Logik der Komplexität, in völliger Übereinstimmung mit der Dialektik, die gegenteilige Behauptung" (Woods, Grant 2002: 73).

”Die mexikanische Sierra hat 17 plus 15 plus 9 Dorne in der Rückenflosse. Die kann man ohne Schwierigkeiten zählen. Wenn die Sierra aber mit aller Kraft an der Angel zieht, so daß uns die Hände brennen, wenn der Fisch lärmt und beinahe entkommt und schließlich über die Reling hereinfällt, mit pulsierenden Farben und einem die Luft peitschenden Schwanz, dann ist in unserer Beziehung eine völlig neue Körperlichkeit ins Dasein getreten – eine Einheit, die mehr ist als die Summe von Fisch und Fischer. Der einzige Weg, die Dorne der Sierra unbeeinflußt von dieser zweiten, dieser Beziehungs-Wirklichkeit zu zählen, liegt darin, in einem Labor zu sitzen, ein übelriechendes Einmachglas zu öffnen, einen steifen, farblosen Fisch aus der Formalinlösung herauszunehmen, die Dorne zu zählen und die Wahrheit zu schreiben ... Dort hast du dann eine Wirklichkeit festgehalten, die nicht angegriffen werden kann – wahrscheinlich die für den Fisch wie für dich am wenigsten wichtige Wirklichkeit. Es ist gut, zu wissen, was du tust. Der Mann mit dem eingemachten Fisch hat eine Wahrheit niedergelegt und seine Erfahrung in vielen Lügen festgehalten. Der Fisch ist nicht diese Farbe, dieses Gewebe, dieser Tod, und er riecht auch nicht so.” (John Steinbeck, zitiert in Weick 1985: 44).

Logik und Mathematik können Totes festhalten, nicht aber Lebendiges verstehen.

Friedhof von Susques
Hilfe Seitenanfang
Home Sitemap Suche Bilder Vorherige Nächste

Letzte Aktualisierung dieser Seite:
Öffne externe Links in neuem Fenster?

© Copyright "Lateinamerika-Studien Online"