Seit der 68er Bewegung, der ökologischen Krise und der einsetzenden Krise des bis dahin so erfolgreichen Nachkriegsmodells des Fordismus war klar, dass die neuen Zeiten neue Antworten erforderten. Auf dem Feld der Entwicklungspolitik war eine der Antworten die Übernahme alternativer Entwicklungskonzepte. Die Kritik an der Gleichsetzung von Wirtschaftswachstum mit Entwicklung denunzierte die nationalstaatlichen Versuche, wirtschaftliche Entwicklung im Behälterraum der Nation planen zu können. Der Nationalstaat solle sich nicht länger in positivistischer Selbstsicherheit zum Planer eines so komplexen Phänomens wie eben Entwicklung aufschwingen – dies sei totalitär, unterdrücke die Vielfalt an Vorstellungen, die an der Basis der Gesellschaft herrschen. Indem der Nationalstaat darauf beharre, die nationale Wirtschaft zu planen, agiere er ökonomistisch und vernachlässige damit so wichtige Fragen wie die der Natur, der Kultur und der Frauen. Mit dem wachsenden Bewusstsein für die Umwelt wurden außerdem die Grenzen des westlichen Lebensstils offensichtlich: Nicht vorstellbar, wenn eine Milliarde ChinesInnen die selben Klimaanlagen verwenden wie die US-AmerikanerInnen. Unvorstellbar, wenn nicht nur sechs Milliarden Menschen, sondern auch sechs Milliarden Autos die Ozonschicht belasten, zusammen mit Milliarden Kühlschränken, Fernsehapparaten, Computern usw. Rein materiell scheint diese Verallgemeinerung des westlichen Lebensstils als Lebensstil aller Menschen kaum möglich. Müsste daher nicht eine Umorientierung im Entwicklungsprozess stattfinden, indem ökologisch verträglicher gelebt und gearbeitet wird? Diesen Zugang verfolgte der Begriff der Nachhaltigkeit, der Lebens- und Wirtschaftsweisen anstrebt, die den heutigen Komfort und Wohlstand nicht zulasten zukünftiger Generationen und ferner Länder verwirklichen. Bald schon kam die Kritik von Forscherinnen, dass Entwicklung vorrangig den Männern nütze, weshalb Entwicklung gerechtere Beziehungen zwischen den Geschlechtern zu schaffen habe. Ähnlich lautete die Argumentation bezüglich Kultur, wo Ethno-Entwicklung die Antwort auf den Eurozentrismus war. |