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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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3.6.1.6 Brüche im Wettbewerbsdispositiv

Die grundlegenden Widersprüche des Kapitalismus bestehen auch im neuen Jahrhundert fort. Zwar ist der Globus zu einem ökonomischen System geworden, die Globalisierung hat das Zusammenrücken von Völkern und Räumen gefördert. Aber gleichzeitig hat sich die Kluft zwischen Reichen und Armen erhöht, und seit der Ostasien- und Lateinamerikakrise nach 1997 ist die Ungleichheit drastisch angestiegen. Mit Afrika in einer Dauerkrise befand sich am Beginn des neuen Milleniums die gesamte Peripherie der Weltwirtschaft in der Krise. Macht und Reichtum konzentrieren sich in der Triade Nordamerika, Westeuropa und Japan. Niemals in der Geschichte der Menschheit waren die Lebenschancen derart ungleich verteilt. Die räumliche Grundstruktur der Welt des 21. Jahrhunderts als eine Welt mit Zentrum und Peripherie unterscheidet sich kaum von der vor 100 Jahren. Die Stellung Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas hat sich, von einigen Ausnahmen abgesehen, kaum verändert.

Das gleiche gilt für die Strukturen innerhalb einzelner Länder: Auch vor 100 Jahren waren die Lebenschancen von Kindern aus Arbeiterfamilien ungleich schlechter als die von Kindern gutbürgerlicher Familien. Die räumliche und soziale Polarisierung, die sich gegenwärtig wieder zuspitzt, charakterisierte die kapitalistische Weltwirtschaft schon immer. So ist die Konzentration von Macht und Reichtum in der Hand einer Minderheit auch heute noch das Schlüsselproblem. In Großbritannien erhöhte sich zum Beispiel das pro Kopf Einkommen des reichsten Fünftels der Bevölkerung von 1970-1991 um über 60%, dasjenige des ärmsten Fünftels gerade nur um über 10%.

Favellas

Angesichts der sich verbreiternden allgemeinen Unsicherheit fiel es kaum auf, wie die Politiker nach dem 11.9.2001 rasch wieder zu Herren ihrer Nationen, zu Machthabern, wurden. In welchem der nationalen Machtbehälter ich wohne, war trotz aller Globalisierung wieder höchst bedeutsam. Droht das Militär meines Landes Anderen mit Vergeltung oder drohe ich Opfer der Vergeltung Anderer zu werden – es macht einen großen Unterschied, wo wir uns aufhalten und zu welchem Territorium wir gehören. Plötzlich war Geopolitik als das friedliche und kriegerische Handeln zwischen Staaten wieder etwas, das offensichtlich alle angeht. Plötzlich war es nicht die Frage, ob die Anschläge effizient durchgeführt wurden, sondern welchem Ziel sie dienten. Professionalität kann auch zerstörerisch wirken. Plötzlich wurden sich die Machthaber bewusst, dass sie es sind, die Namen und Anschrift des globalen Kapitals erkunden können. Hieß es vor kurzem noch, Geld habe kein Mascherl und es sei naiv, Fragen von Geld und Moral zu vermischen, so lernen wir nun, dass Terror-Geld konfisziert werden kann. Kurz, der 11. September zeigte, wie brüchig das allmächtig und allgegenwärtig erscheinende Einheitsdenken auch war. Das Wettbewerbsdispositiv, an das sich die Linke durch ihre Sozialliberalisierung gerade erst angepasst hatte, zeigte massive Brüche und Risse.

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