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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 3.6.1 IST: Politökonomische Konjunkturanalyse

3.6.1.4 Die sozialliberalen 1990er Jahre

Als die neoliberalen Regierungen Ende der 1980er Jahre abgewählt und Diktatoren vertrieben wurden, gab es Anlass zur Hoffnung.

In den 1990er Jahren schien der Neoliberalismus erschöpft und das Pendel in die Gegenrichtung zu schwenken. Es war ein sozialliberales Milieu, das dieses Jahrzehnt prägen sollte. Sei es der Dritte Weg des brillianten englischen Soziologen Anthony Giddens, oder die Globalisierungseuphorie des ebenso luziden brasilianischen Dependenztheoretikers Fernando Henrique Cardoso, oder auch die geläuterten WeltbankexpertInnen, die Armutsbekämpfung, Nachhaltigkeit und Gender-Planning in der Weltbank institutionalisierten - all diese Intellektuellen, die sich oftmals entschieden gegen den Neoliberalismus stellten, rückten in den 1990er Jahren ins Zentrum der Macht. Giddens, Cardoso und viele Andere waren Vorbilder einer ganzen Generation. Gerade für viele Intellektuelle versprach der Sozialliberalismus mit seinem pluralistischen Politik- und Kulturverständnis den Aufbruch zu neuen Ufern jenseits alter Konzepte, jenseits von Sozialismus und Konservativismus.

Doch was brachten die neue Wege, der Dritte Weg, der in den 1990er Jahren beschritten wurde? Die sozialliberalen Regierungen und Finanzorganisationen setzten die neoliberale Wirtschafts- und Strukturpolitik einfach fort: Zu Hause hielten sie am EU-Binnenmarktprojekt und der monetaristischen Geldpolitik fest und an der Peripherie forderten sie die Umsetzung der Liberalisierungs- und Privatisierungspolitik des Währungsfonds. Die Korrekturen am neoliberalen Modell beschränkten sich auf die Ausgestaltung derjenigen Handlungsfelder, die die Sachzwänge des liberalen Kapitalismus für Kultur, Umwelt und Soziales übrig ließen.

Die Bilanz ist trist: Am Ende der 1990er ist der Aufstieg Südostasiens gestoppt, stagniert Afrika weiterhin und vertieft sich die Krise in ganz Lateinamerika. Wenn grundlegende Kritik überhaupt noch öffentlich wurde, dann vor allem fundamentalistisch, sei es als Ultra-Nationalismus, Wohlstandschauvinismus oder als religiöser Fundamentalismus. Einer radikalen Gesellschaftskritik fehlte auch eine Theorie, aber es fehlte vor allem eine politische Bewegung. Dies änderte sich mit der globalisierungskritischen Bewegung, die ihren Ausgangspunkt in den Protesten auf der Welthandelskonferenz in Seattle 1999 nahm.

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