In den letzten 20 Jahren setzte sich wie schon vor dem Fordismus ein extensives, vom Finanzkapital dominiertes Akkumulationsregimedurch. Es ist dies ein Akkumulationsregime, in dem Finanztitel, seien dies Aktien oder Schuldscheine, scheinbar zur Quelle des Reichtums werden. Ein finanzgetriebenes Akkumulationsregime tendiert zu einer Anhebung der Zinsen, was das Produktivkapital, das billiges Geld zum Investieren benötigt, schwächt. Nicht mehr diejenigen, die produzieren, geben den Ton an, sondern die Kapitalinteressen, die als Shareholder organisiert sind. Die kurzfristige Profitrate und nicht langfristige Expansionsstrategien bilden die Grundlage von Investitionsentscheidungen.
Saskia Sassen zeigt, dass sich die Dyamik wirtschaftlicher Entwicklung zwischen 1970 und 1991 in Deutschland und den USA radikal unterscheidet. Während in den USA eine ganz deutliche Rückkehr zu einem extensiven Wachstum beobachtbar ist, kann dies in Deutschland keinesfalls festgestellt werden. Waren in den USA 1970 rund 77 Mio. Menschen beschäftigt, waren es 1991 117 Mio.. Das Wirtschaftswachstum beruhte also in den USA wesentlich auf der Schaffung der berühmten Mc-Jobs, d.h. von Billiglohnarbeitsplätzen. In Deutschland hingegen betrug der Anstieg im selben Zeitraum einzig eine halbe Million, was auf den Fortbestand eher intensiver Akkumulationsstrategien hinweist. Das deutsche Wachstum erfolgte weiterhin afugrund von Produktivitätssteigerungen im Produktionsprozess. Wenn die USA auch der restlichen Welt das Bild ihrer Zukunft zeigt, ist zu vermuten, dass sich die Akkumulationsdynamik weltweit erneut in Richtung Extensivierung verlagern wird. Die Wirtschaft wird vor allem deshalb wachsen, weil mehr Menschen mehr arbeiten. Produktivitätsgewinne werden trotz des riesigen technologischen Potentials nur eingeschränkt genutzt werden, weil die hochproduktiven Jobs wenige bleiben im Verhältnis zu den boomenden Dienstbotenbeschäftigungen wie Putzen und Pflegen. |