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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 3 Sozialwissenschaften
 up 3.4 Entwicklung
 up 3.4.1 Universelle Entwicklungskonzepte

3.4.1.1 Traditionelle Phasenmodelle

Phasenmodelle beschreiben die historische Entwicklung als eine Abfolge von Phasen.

Es gibt eine Vielzahl von Phasenmodellen der Entwicklung. Ein Gutteil hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert. Die gesellschaftliche Dynamik wurde hierbei mit Bildern aus der Physik erklärt. Sie wurde sozialmechanisch als eine Aufeinanderfolge von Entwicklungsphasen verstanden, wobei es immer um den Übergang von einer Phase fehlender Entwicklung oder Unterentwicklung hin zu einer Phase der Entwicklung ging.

Bei Max Weber findet dies durch die zunehmende Rationalisierung der Gesellschaft statt, bei Emile Durkheim durch den sich verstärkenden sozialen Zusammenhalt im Zuge der Arbeitsteilung. Bei Karl Marx finden wir zwei Erklärungen: Zum einen führt die Dynamik der Produktivkräfte, der Technologie und Kapitalisierung zu einem Klettern auf der Stufenleiter der Höherentwicklung. Zum anderen führt die soziale Auseinandersetzung, allen voran der Kampf zwischen den Klassen und innerhalb der Klassen, zu einer Höherentwicklung, da immer breitere soziale Gruppen an den Früchten der Besserstellung beteiligt werden.

Alle diese Phasenmodelle sind teleologisch, d.h. auf ein Ziel hin ausgerichtet. Irgendwann in der Zukunft wird ein vollkommener oder zumindest zufriedenstellender Endzustand erreicht: Für die Einen ist dies der Sozialismus, für Andere die Gesellschaft des Massenkonsums. Der gegenwärtige Zustand einer Gesellschaft wird dann immer im Vergleich zum vermeintlichen Endzustand gemessen: Aus dem, was noch fehlt, ergibt sich der Grad der Unter- und Nicht-Entwicklung: Die einen reden von primitiv (im Unterschied zu zivilisiert), andere von vor-industriell (im Unterschied zu den Industriegesellschaften) und wieder andere von gemeinschafts- und damit kleingruppenorientierten (im Unterschied zu gesellschaftsorientierten und damit komplexen) Organisationsformen.

Ohne Zweifel war die Vorstellung, es gebe in der Geschichte einen Endpunkt, ein anzustrebendes Ziel, stark von der europäisch-nordamerikanischen Brille verfärbt. Wir nennen diesen Zugang, das Andere von der Warte des Eigenen aus zu bewerten, Ethnozentrismus. Das Eigene galt als Maßstab, an dem sich alle Anderen zu orientierten hätten. Nach 1989 wurde das Eigene, unsere demokratisch-kapitalistischen Gesellschaften, gleichzeitig zum End- und Höhepunkt der menschlichen Geschichte.

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