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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 2.4 Politische Ökonomie
 up 2.4.2 Grundstruktur des Kapitalismus
 up 2.4.2.1 Kapital

2.4.2.1.6 Reproduktionsschema

In kapitalistischen Gesellschaften liegt dem Verwertungsprozess eine andere Logik zugrunde als dem stofflichen Prozess. Beide stehen zueinander in Widerspruch. Trotzdem kann Wirtschaft auch im Kapitalismus über das Bild vom Kreislauf verstanden werden.

Viele ÖkonomInnen haben die Kreisläufe des Wirtschaftens abzubilden versucht. Sie werden vielfach als die materielle Basis einer Gesellschaft gesehen. Ohne eine funktionierende Wirtschaft, so MarxistInnen und Liberale unisono, gebe es keine funktionierende Gesellschaft. Ein Reproduktionsschemabeschreibt einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf: Das, was produziert wird, wird dazu verwendet, um in einer zweiten Runde erneut produzieren zu können. Die Ernte dient dazu, die Bauernfamilie zu ernähren und Rücklagen für die nächste Aussaat anzulegen.

Baumfällen für den Eigenbedarf

In kapitalistischen Industriegesellschaften ist das Reproduktionsschema komplizierter. An Stelle von Warentausch bildet nun Geld den Ausgangs- und Endpunkt ökonomischer Aktivitäten. Ausgangspunkt des Kreislaufs bildet demnach zum Beispiel eine Unternehmerin, die Arbeitskräfte einstellt und Inputs für die Produktion einkauft. In einem Produktionsprozess werden von diesen Arbeitskräften aus den Inputs Outputs hergestellt. Diese werden verkauft und der Erlös liegt der Unternehmerin in Form von Geld vor. Selbstverständlich wird die Unternehmerin all dies nur tun, wenn sie darauf hoffen kann, dass am Ende mehr Geld herausschaut, als sie ursprünglich eingesetzt hat.

Karl Marx hat diesen Kreislauf als einen Prozess von Geld – Ware – Geld (G – W – G) oder eben Geld – Ware – Mehr-Geld (G – W – G´) beschrieben. Mit diesem Mehr an Geld, mit dem die Reproduktion abgeschlossen wird, ist auch schon angedeutet, dass in kapitalistischen Gesellschaften eine Tendenz zu wirtschaftlicher Expansion und zu Wachstum angelegt ist. Die reine Reproduktion auf selbem Niveau, d.h. eine statische Gesellschaftsordnung eines sich alljährlich wiederholenden Kreislaufes, widerspricht der unternehmerischen Logik im Kapitalismus. Der Anreiz, andere sprechen von Zwang, Werte anzuhäufen, zu akkumulieren und einen Gewinn aus dem individuellen Kreislauf von G – W – G zu erzielen, macht den Kapitalismus zu einem dynamischen System.

Die expansive Logik des Kapitalismus, aus Wert Mehr-Wert zu machen, unterscheidet sich von anderen Logiken, allen voran der ökologischen. Mit der Inwertsetzung des Regenwaldes durch Rohstoffabbau oder Rodung tritt die kapitalistische mit der ökologischen Logik in Widerspruch.

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