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Internationale Politische Ökonomie
Mit Beispielen aus Lateinamerika
Ao. Prof. Dr. Andreas Novy
Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsuniversität Wien
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 up 2.4.3 Regulationstheorie
 up 2.4.3.2 Regulation

2.4.3.2.1 Periodisierung

Pipa-Stein, Praia do Pipa, Brasilien

Die Periodisierung der kapitalistischen Entwicklung ist wichtig, um Handlungsspielräume besser abschätzen zu können. Die politische Ökonomie kennt nicht nur Stabilität, sondern auch Krise. So folgte zum Beispiel auf den Zusammenbruch des Systems fester Wechselkurse nach 1973 eine Krise. In Krisenzeiten ist die Offenheit der Zukunft besonders groß und der Lauf der Konjunktur besonders unbestimmt. Handeln kann zu solchen Zeiten Strukturen besonders stark gestalten. Die Lösung der Krisen ist aber weder willkürlich noch zufällig. Vielmehr wirken die Strukturen aus früheren, stabilen Phasen auch in Zeiten der Krise fort. Ihre Mächtigkeit besteht darin, strategisch-selektiv bestimmte Handlungen zu fördern und andere zu behindern. In einer Wirtschaftskrise kann der Staat versuchen, die Reichen die Zeche zahlen zu lassen, Steuern könnten erhöht, Subventionen gestrichen werden. Die möglichen Gegenmaßnahmen, wie Steuer- und Kapitalflucht, aber auch Investitionsstreiks, verhindern aber zumeist, dass derartige Maßnahmen auch nur angedacht werden. Schließlich ist der Staat ja von Steuereinnahmen abhängig. Diese strategische Selektivität leitet staatliches Handeln in bestimmte Richtungen und lässt andere Handlungen als „unrealistisch“ erscheinen. Strukturen determinieren zwar nicht den Ausgang von Konflikten, die strategische Selektivität begünstigt im Machtspiel aber immer einen Ausgang der Krise, der die Kontinuität der Machtstrukturen gewährleistet.

Kapitalismus ist eine Gesellschaftsformation, in der sich historisch gesehen Phasen der Krise und der Stabilität abwechselten. Unterschiedliche Phasen eröffnen verschiedene wirtschaftspolitische Handlungsspielräume. Daher ist die Periodisierung kapitalistischer Entwicklung nicht einzig eine intellektuelle, sondern eine politische Herausforderung.

Die politische Ökonomie geht von einem historischen Zeitverständnis aus und grenzt sich daher von Konzept von logischer und daher jederzeit wiederholbarer Zeit ab. In diesem Sinne ist der Kapitalismus eine historische Formation, die sich zu einer bestimmten Zeit an bestimmten Orten als dominant herausbildete. Kapitalismus konkretisiert sich aber an diesen verschiedenen Orten nicht auf die gleiche Weise. Vielmehr gibt es unterschiedliche historisch-geographische Ausformungen von Kapitalismus, d.h. verschiedene Kapitalismen. Manche funktionieren besser, andere schlechter, manche erweitern die Lebenschancen von Menschen, andere reduzieren diese drastisch.

Die Regulationstheorie konzentrierte sich zunächst vor allem auf einen historischen Abschnitt, nämlich die Nachkriegszeit, welche als eine stabile Phase kapitalistischer Entwicklung wahrgenommen wurde. Das scheinbar wie geschmiert laufende Räderwerk des Nachkriegskapitalismus bezeichneten sie als Fordismus, als eine Periode der Massenproduktion für den Massenkonsum.

Doch auf die Stabilität der Nachkriegsjahrzehnte folgte seit den 1970er Jahre weltweit eine tiefe Krise der nationalstaatszentrierten Entwicklungsweise. Die Akkumulation stockte und die alten Formen der Regulation erlaubten nicht länger die Wiederherstellung eines funktionierenden Kapitalkreislaufes.

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 down 2.4.3.2.1.2 Phasenmodelle historischer Entwicklung
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