Im wörtlichen Sinn handelt es sich bei Cultural Studies um Kulturwissenschaften. Da der Kapitalismus Gesellschaften schafft, in denen die Ökonomie von entscheidender Bedeutung ist, reicht die Analyse von Ökonomie und Politik für die Untersuchung kapitalistischer Gesellschaften nicht aus. Darauf haben zum Teil im Gefolge von Antonio Gramsci vor allem die von Stuart Hall geprägte Forschungsrichtung der Cultural Studies sowie neue theoretische Ansätze unter dem Titel "Cultural Political Economy" hingewiesen.
Vielfach konzentriert sich die politische Ökonomie einzig darauf, die Bewegungsgesetze von Ökonomie und Politik zu untersuchen. Dann schafft sie aber den angestrebten Schritt hin zu einer zur Gestaltung der Gesellschaft relevanten Sozialwissenschaft nicht, weil die Verbindung zur Handlungsperspektive sozialer AkteurInnen fehlt. Welche Ziele Menschen verfolgen, hängt mit dem Bild zusammen, das sie sich von der Welt machen. Welche Lebensformen sie wählen und welche Strategien sie anwenden, hängt von der Kultur, den Normen und Institutionen ab, die durch die Kultur einer Gesellschaft geschaffen wurden. Die Kultur ist also das Feld, das politischen und ökonomischen Prozessen Sinn verleiht. Politisches und ökonomisches Handeln ist ja immer interpretationsimprägniert. Welcher Interpretationen und damit welchen Diskurses sich Menschen bedienen, entscheidet über die Art ihres Handelns und der Strukturen, die sich in einer Gesellschaft herausbilden. Kultur ist dann nicht bloß ein gesellschaftlicher Randbereich, wo sich die Menschen in der Freizeit der Kunst oder Populärkultur widmen, sondern bildet als Gewohnheiten, Normen und Institutionen die Grundlage unseres Handelns. |