Hegemonie ist die kulturelle und politische Vorherrschaft basierend auf Konsens. In der politischen Ökonomie wurde dieses Konzept von Antonio Gramsci eingeführt. Hegemonie wird nicht durch den Staat alleine hergestellt, sondern zumeist zusammen mit der Zivilgesellschaft. Diese breite Sichtweise von Staat, die Staat und Zivilgesellschaft als Kräftefeld umfasst, nennt Gramsci den erweiterten Staat. Es ist der öffentliche Raum der Zivilgesellschaft, in dem über die Zukunft der Gesellschaft, die Art ihrer Organisierung und über die Wege, wie Ziele verwirklicht werden sollen, diskutiert wird. Im antiken Griechenland erfolgte dieser Meinungsbildungsprozess auf den öffentlichen Plätzen, später dann spielten Kaffeehäuser eine wichtige Rolle. Im 20. Jahrhundert übernahmen Schulen und Kirchen einerseits, Gewerkschaften und Kultureinrichtungen andererseits diese Funktion.
Im Zuge des Sozialliberalismus professionalisierte sich auch die Aktivität der Zivilgesellschaft. Think-Tanks, NGOs und Lobbyingorganisationen einerseits und die Massenmedien andererseits machten die öffentliche Auseinandersetzung zunehmend zu einer Angelegenheit von ExpertInnen. Dies kann anhand der weltweit durchgesetzten liberalen Umgestaltung des Sozialsystems aufgezeigt werden. Seit den 1970er Jahren schufen Think Tanks von den USA und Großbritannien aus ein Klima für Privatisierung und Steuersenkungen. In der Folge wurden sie von den Massenmedien und den Universitäten unterstützt. Es bedurfte weit mehr als ein Jahrzehnt, um die Bereitschaft für radikale Veränderungen im Gesundheitsbereich zu wecken. Dies leistete nicht der Staat selbst, sondern die den Staat umgebende Zivilgesellschaft. Erst die Umsetzung einer liberalen Gesundheitspolitik oblag dann dem Kern des Staates – Regierung und Parlament. |