Die Kunst des Interpretierens beschränkt sich nicht auf die Wissenschaft, sondern stellt eine Lebenshaltung dar. Bei vielen sozialen Phänomenen geht es vorrangig darum zu verstehen, wie Menschen als AkteurInnen in einem ganz spezifischen Feld ihre Lebenswelt strukturieren. Wann kaufen und verkaufen Kleinbäuerinnen? Was treibt mich in eine Wahlzelle und welche Motive sind für Wahlentscheidungen ausschlaggebend? Forschende müssen mit diesen fremden Lebenswelten kommunizieren, sie müssen sich auf Fremdes einlassen, um zu lernen. Dies bedeutet zuerst und in erster Linie, die eigene Verankerung in der europäischen Mittelschicht anzuerkennen und sich der Beschränkungen bewusst zu sein, die sich aus diesem privilegierten Ort in der sozialräumlichen globalen Hierarchie ergeben. Was für uns „logisch“ ist, muss dies für Andere keineswegs sein. |