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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 4 Klimatologie, oder: Klimatische Grundstrukturen und -prozesse in Lateinamerika
 up 4.2 Dynamische Klimatologie - Grundzüge der atmosphärischen Zirkulation in Lateinamerika
 up 4.2.1 Astronomisch-mathematische Grundlagen zur atmosphärische Zirkulation

4.2.1.4 Wirbelstürme

In der Klimatologie ist die allgemeine Bezeichnung für jedes Tiefdruckgebiet Zyklon, ein Hochdruckgebiet wird demgegenüber Antizyklon genannt. Nichtfachleute verwenden den Terminus Zyklon (oder auch: tropischer Zyklon) als Synonym für Wirbelstürme. Tatsächlich sind Wirbelstürme aber als Zyklone definiert, in denen Windstärken von über 117 km/h erreicht werden.

Immer wieder wird in den Medien von verheerenden Hurricans im karibischen Raum berichtet. In der Tat werden sowohl das karibische, als auch das pazifische Küstengebiet außergewöhnlich häufig von Wirbelstürmen heimgesucht. Selbst der Nordteil der Meseta Central in Mexiko ist manchmal von Ausläufern betroffen. Von echten Hurricans spricht man ab Windgeschwindigkeiten von über 73 mph, oder Windstärken von über 12 Beaufort. Der Name leitet sich vom indianischen Sturmgott „Huracan“ ab.

Wirbelstürme oder echten Hurricans entsprechen folgenden Regelhaftigkeiten:

1. Das Auftreten ist an die Monate Juni bis November gebunden. Nur 1,4% aller zwischen 1886 und 1972 beobachteten Ereignisse sind außerhalb der „Saison“ aufgetreten. Die Hauptperiode liegt zwischen Mitte August und Anfang Oktober. 79% aller tropischen Wirbelstürme treten in diesen Monaten auf. Die eigentliche Touristensaison der Karibik, die Monate der winterlichen Trockenzeit von Dezember bis April sind frei von Sturmereignissen dieser Wucht.

2.Die meisten Wirbelstürme treten über den offenen Wasserflächen vor der Pazifischen Küste Mexikos und Mittelamerikas, des Karibischen Meeres und des Atlantiks ostwärts der Küste der Westindischen Inseln auf. Mit Näherung an das Festland geht die Wirkung und das Auftreten deutlich zurück.

2. Die entscheidende Voraussetzung ist die Wasserdampfzufuhr von einer mindestens 27°C warmen Meeresoberfläche. Die Lebensdauer und die Hauptzugbahnen sind an diese Temperatur gebunden. Das hat zur Folge, dass Wirbelstürme mit tropischen Inseln und Küstenbereichen, in denen solche Bedingungen herrschen, eine quasi symbiotische Beziehung eingehen. Die Westküste Südamerikas ist durch den kalten Humboldtstrom vor Hurricans geschützt.

4. Innerhalb des von Sturmkatastrophen bedrohten Gebietes gibt es eine deutliche zeitliche und räumliche Differenzierung. Von Mai bis Juli sind besonders die karibischen Küstengebiete der mittelamerikanischen Landbrücke betroffen. Im Juli verlagert sich der Schwerpunkt auf die Kleinen Antillen, wobei die Inseln unter dem Winde außerhalb des Gefahrenbereiches liegen. Die Großen Antillen werden von August bis Oktober heimgesucht, wobei das Vorkommen von Hurricans nicht auf die jeweilige Zeit beschränkt ist.

Wo sie genau die Küstenbereiche erreichen und wo sie in weiterer Folge große Verwüstungen anrichten ist, mehr oder weniger Zufall. Die große Energie, die den Wirbelstürmen innewohnt, entlädt sich durch heftige Orkanwinde, sintflutartige Regengüsse und Sturmfluten an der Küste, die der Zyklon vor sich hertreibt. Über dem Festland entladen sich Hurricans meist schnell, so dass es nur selten vorkommt, dass Hurricansr das Hochland von Mexiko erreichen.

An der Pazifikküste sind die tropischen Wirbel im allgemeinen kleiner und weniger energiereich als im karibischen Meer, dafür ist das Risiko des Eintreffens einer solchen Zyklone doppelt so hoch als an der Golfküste Mexikos. Durch d am Gebirgsrand des Mexikanischen Hochlandes aufsteigende Luftbewegung kommt es allerdings zu ergiebigen Stauregen. Die größte Gefährdung an der pazifischen Küste ist entlang des Südteils der Küste Niederkaliforniens anzutreffen. Eine Häufung solcher Ereignisse kann man auch zwischen Manzanillo und Acapulco beobachten.

Von der Genese her sind diese tropischen Zyklonen sehr stark mit der Innertropischen Konvergenz verbunden. Sie bestehen aus einem rotierenden, kompakten Wolkenring mit einem Durchmesser von 60 bis 200 km, in dem eine konvektive Umlagerung der Luftmassen stattfindet wie in einer überdimensionalen Gewitterwolke. Im Zentrum, dem „Auge des Zyklons“ besteht häufig eine wolkenfreie ruhige Zone von 15-30 km Durchmesser. Die extrem große Wirbelenergie entsteht durch die latente Energiegewinnung, die bei Wolkenbildungen entstehen. Hier findet diese Energiegewinnung auf engstem Raum statt, zudem ist durch das warme Meereswasser genug Feuchtigkeit zu einer Intensiven Wolkenbildung verfügbar. Nahe dem Erdboden entstehen so sich drehende Stürme von 120 bis 130 km/h, oft mehr als 200 km/h, während sie entlang der Zugbahnen nur langsam vorankommen. Mit nur 20-30 km/h legen sie über den Ozeanen zurück, bevor sie über dem Meer sterben, oder sich über dem Festland aufreiben. Starkregen und extrem hohe Luftdruckschwankungen. Alle absoluten Klimarekorde auf der Erde bezüglich Windstärke, Luftdruck und Niederschlagsintensität gehen auf tropische Zyklonen zurück.

Durch Satellitenüberwachungssysteme und Radarbeobachtungen sowie durch spezielle Kommunikations- und Frühwarnsysteme ist der menschliche Schaden enorm reduziert wurden. Was bleibt ist die Ungewissheit, welchen Weg ein Hurrican einschlagen wird.

Früher wurden Wirbelstürme in der Reihenfolge ihres Auftretens nummeriert und erhielten früher von amerikanischen Wetterdiensten Frauennamen in alphabetischer Reihenfolge. Durch emanzipatorische Bewegungen werden seit einiger Zeit auch Männernamen für die Verwüstungen verantwortlich gemacht. So richtete der Hurrican „Hugo“ über der Karibik einen immensen Schade an. Von besonderer Heftigkeit war der Hurrican „Andrew“ 1992, der zuvor noch nie dokumentierte Schäden verursachte.

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