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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 4 Klimatologie, oder: Klimatische Grundstrukturen und -prozesse in Lateinamerika

4.4 Thermische Vertikalgliederung - tropische Höhenklimate

Die Gebirge bilden eine ganz westliche Einflussgröße für das Klima in Lateinamerika. Zum einen sind sie Klimascheide; die Klimate westlich und östlich der Gebirge unterscheiden sich häufig sehr stark von einander – zum anderen ist die klimatische Vertikalgliederung von besonderem Interesse, da hier innerhalb von relativ kurzer Distanz viel größere Unterschiede auftreten können, als es in horizontaler Betrachtung überhaupt möglich wäre. In allen Gebirgen, egal welcher Klimazone sie angehören, ändern sich wesentliche biotische und abiotische Umweltbedingungen mit der Höhe. Das Abnehmen der Temperatur, des Luftdrucks und zunächst auch eine Zunahme der Bewölkung und des Niederschlags und der Einstrahlung führen zu einem stockwerkartigen Aufbau unterschiedlicher Lebensbedingungen, der ganz allgemein als klimatische Höhenstufung der Gebirge, bezeichnet wird. Gerade aber in Lateinamerika ist die Ausbildung von klimatischen Höhenstockwerkenvon besonderer Bedeutung, da hier ein mächtiges Gebirge mitten in den Tropen zu finden ist. So kommt es, dass im Bereich der normalerweise heißen Tropen auf kurzen Distanzen Übergange von ewigem Sommer zu permanenten Winter zu erleben sind.

Es war Alexander v. Humboldt, der dieses Phänomen als erster ausführlich beschrieb, nachdem er zwischen 1799 und 1804 die Gebirge Südamerikas bereiste, und dabei ständige barometrische und thermische Messungen vornahm. Im fiel auch als erstem auf, dass sich die Pflanzenformationen der Höhe, also den jeweiligen klimatischen Bedingungen der einzelnen Stockwerke anpassen. So wurde Humboldt zum Entdecker der Höhenstufen der Vegetation.

Für die Beschreibung der Höhenstockwerke benutzte Humboldt ältere, von den Spaniern eingeführte Bezeichnungen, die sich bis heute in der wissenschaftlichen Nomenklatur durchsetzten.: Tierra caliente – das heiße, von Regenwäldern bedeckte Land; tierra templada – das gemäßigte, von tropischen Bergwäldern bewachsene Land; tierra fría – das kalte Land, indem die europäischen Feldfrüchte beste Bedingungen finden; tierra helada – das eisige Land der Paramós und Puna-Steppen; tierra nevada – das Land der Gletscher, in dem nur noch vereinzelt niedere Pflanzen gedeihen können. Diese Begriffe beschreiben also sowohl die thermischen als auch die biotischen Verhältnisse. Für das Klima sind besonders die Temperaturverhältnisse für ihre Unterscheidung von Bedeutung.

Die Bezeichnungen umfassen freilich wesentlich mehr. Es sind Ausdrücke für Gebirgs-Lebensräume, in denen die ganze Komplexität des Klimas, der Agrarnutzung, der Ausprägung der potentiellen Vegetation und die damit zusammenhängende Gestaltung der Kulturlandschaft mit ihrer Bevölkerungsverteilung einfließt. Die genaue Höhenzonierung ist natürlich ein Richtwert und schwankt von Gebiet zu Gebiet. Die Höhenstufen zeigen in Mexiko, Mittelamerika und dem tropischen Südamerika in ihrem klimatischen Aufbau kaum Unterschiede, außer bezüglich der vertikalen Lage der Höhenstufen. Bei der Betrachtung des Veränderungen der Vegetation sind allerdings Unterschiede zu erkennen.

An erster Stelle ist die Temperaturabnahme mit der Höhe zu nennen. Sie beträgt je 100 m Anstieg bei trockener Luft etwa 1°C, bei feuchter Luft 0,55 °C. Das Gegenstück bildet die Temperaturinversion, bei der die kalte und schwerere Luft absinkt, sich in den Tälern sammelt und so zu einer Umkehr des Temperaturgefälles führt.

Die Strahlung wächst indes mit 1 % je 100 Höhenmeter. Man muss sich vor Augen führen, dass die Strahlung in den Tropen von Haus aus etwa doppelt so hoch ist wie in den gemäßigten Breiten. Der Niederschlag nimmt allgemein von 2000 m bis 3600 m zu, verringert sich darüber aber wieder. Verschiedene Winde haben im Gebirge große Wirkung: seien es Staueffekte, Aufwind, Abwind, föhnartige Winde, Düseneffekte, oder Talwinde.

 down 4.4.1 Lage und klimatische Eigenschaften der tierra caliente
 down 4.4.2 Lage und klimatische Eigenschaften der tierra templada
 down 4.4.3 Lage und klimatischen Eigenschaften der tierra fría
 down 4.4.4 Lage und klimatische Eigenschaften der tierra helada
 down 4.4.5 Lage und klimatische Eigenschaften der tierra nevada
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