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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 6 Ökologische Probleme Lateinamerikas in Beispielen
 up 6.2 Systemische Rückkopplungen

6.2.1 Desertifikation

In der „International Conference on Desertification“ (UNCOD) in Nairobi 1977 wurde eine Definition für Desertifikation vorgeschlagen, die besonders die menschliche Wirkung herausstreicht. Sie wird als Missmanagement bei der Landnutzung bezeichnet und vermindert oder zerstört das Potential eines Landes bis hin zu wüstenähnlichen Bedingungen. In sonst landwirtschaftlich nutzbare Flächen, egal ob im Regenfeldbau oder Bewässerungsland, werden die natürlichen Ressourcen erheblich degradiert. Einmal durch anthropogenen Einfluss in Gang gekommen, handelt es sich bei der Desertifikation, bei bestimmten Klimabedingungen, um einen sich selbst verstärkenden Prozess. Demnach kann man in unbewohnten und nicht genutzten Flächen, sofern es diese noch gibt, sowie in humiden Klimabereichen nicht von Desertifikation gesprochen werden. Mensching (1990) weist ausdrücklich darauf hin, dass Dürre allein nicht Desertifikation hervorrufe, da es sich hierbei um einen „normalen Klimaablauf“ mit seinen natürlichen Schwankungen handelt.

Impressionen

Ursachen der Desertifikation, die im schlimmsten Fall zu sog. „man-made-deserts“ führen kann, sind komplexer und vielschichtiger Natur und beinhalten fast immer physische und anthropogene Aspekte, die sich gegenseitig überlagern und verstärken. Über Ursachen von Desertifikationserscheinungen gibt uns die Literatur reichlichen Aufschluss (vgl. Mensching, 1990; Dregne, 1983, u.a.). Desertifikation hat in den meisten Fällen nicht nur eine Ursache, sondern einen sich selbst verstärkenden Ursachenkomplex.

Wörtlich bedeutet Desertifikation „desertus facere“ (lat.), d.h. das Wüstmachen eines Gebietes. Der Begriff bedeutet allerdings mehr und wird oft in vielerlei hinsicht missverstanden. Die permanente Belastung der ökologischen Situation durch Überbeweidung, übermäßige Wasserentnahme und z. T. vollständige Entfernung der natürlichen Vegetation zur Instandsetzung neuer Anbaugebiete hat in einigen Gebieten Desertifikationserscheinungen zur Folge.

Das Wirken von Desertifikation als limitierender Faktor für die Landnutzung im Zusammenhang mit menschlichem Wirken gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird als weltweites Problem erkannt, genauso, wie Verfahren in ariden Gebieten die Landnutzung zu optimieren. Wie schwerwiegend die Probleme einer unangepassten, nicht nachhaltigen Landnutzung sind, zeigt die Medienpräsenz dieser Thematik in letzter Zeit. Gerade in Hinsicht auf die Landnutzung befindet man sich im Grenzbereich zwischen Kosten, hinsichtlich dem Schaden an dem Naturraum, und dem Nutzen, der aus dem wirtschaftlichen Nutzen gezogen werden kann. Ein Konflikt zwischen Mensch und Umwelt scheint vorprogrammiert.

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Die nebenstehende Abbildung (Quelle: UNO, verändert nach Hoffert), die nur als groben Überblick der desertifikationsgefährdeten Gebiete dienen kann.

Gut ist die diagonale Anordnung der Gefährdung in Südamerika zu erkennen, zurückzuführen auf die „aride Diagonale“, die Südamerika von der Magellanstraße bis zum Golf von Guayaquil durchzieht. Ausgenommen sind die Regeninseln zwischen Jujuy und Catamarca (2) und um das Bergland von Córdoba (3). Es ist ebenfalls zu erkennen, dass Vollwüsten nicht zu den desertifikationsgefährdeten Gebieten zählen. Betroffen sind vor allem semiaride Bereiche, z.B. im Bereiche von Trockenwäldern Dornbuschsavannen, Savannen oder der Patagonischen Steppe.

Je nachdem, in welcher Intensität diese Erscheinungen auftreten, ist die Qualität des Bodens zur Landnutzung unterschiedlich. Werden die Desertifikationserscheinungen in ihrem Frühstadium erkannt werden, so können die Folgeschäden in Grenzen gehalten und eine nachhaltige Sicherung der natürlichen Ressourcen gewährleistet werden.

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