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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 6 Ökologische Probleme Lateinamerikas in Beispielen

6.5 Der Fluch der Grünen Revolution

Die Grüne Revolution ist eine Strategie zur Erhöhung der agrarischen Produktivität und zur Ausweitung des Nahrungsspielraums der wachsenden Weltbevölkerung. Mit neuen Hochleistungssorten und -saatgut (meist Hybridsorten), Kunstdünger, Pflanzenschutz, Teilmechanisierung und Bewässerung konnte z.B. Asien seit den 1960er Jahren tatsächlich seine Getreideproduktion verdreifachen und ein Hungerland wie Indien zum Weizenexporteur aufsteigen. Dennoch ist die Euphorie der 1960er Jahre heute verflogen. Der Hunger ist geblieben, die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich vertieft, und die Abhängigkeit von den multinationalen Chemiekonzernen ist verstärkt worden.

Dies gilt auch für Lateinamerika, wo die Grüne Revolution durch die damals wirksame Entwicklungsstrategie importsubstituierender Entwicklung und der dadurch gegebenen Importbeschränkungen auch für chemische Erzeugnisse abgepuffert wurde. Erst in jüngster Zeit sind alle Dämme gebrochen, und zu einem Zeitpunkt, als die Grüne Revolution bereits tot gesagt wurde, gelang es der Chemielobby, ihren Absatzmarkt in der Kaffeewirtschaftauszuweiten. Dies ist um so erstaunlicher, weil die Nachteile der Grünen Revolution, insbesondere in Asien und z.T. auch in Afrika so krass zutage getreten waren und umfangreich dokumentiert sind. Ihre ökonomische Konsequenz ist nämlich eine High-Energy-Input-Bewirtschaftung nach nordamerikanischem Muster. Energiearme Entwicklungsländer, und natürlich auch die lateinamerikanischen Staaten, verfügen aber - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht über die nötigen energetischen Ressourcen und müssen diese mit teurem Geld einführen. Dabei wirken sich dann die sich ständig verschlechternden Austauschbeziehungen im Welthandel (terms of trade) aus, die die (hier agrarischen) Rohstoffe tendenziell verbilligen, die Industriewaren aber im Preis ansteigen lassen. Noch gravierender sind die ökologischen Folgen, die sich am asiatischen Beispiel in Versalzung, Versumpfung, Bodennitrierung bis zur Bodenunfruchtbarkeit, Grundwasserverseuchung, Überhandnahme biozidresistenter Schädlinge, genetische Verarmung an Pflanzen und Tieren äußerten - Schäden, die zu einem Teil durchaus auch der umgestellten lateinamerikanischen Kaffeewirtschaft vorausgesagt werden können.

Quelle: Borsdorf, A.: Dritte Welt und Weltwirtschaft. 4. Auflage Stuttgart 1995.

 down 6.5.1 Kaffee - ein Genuss mit bitterem Beigeschmack
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