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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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6.4.1 Das Tal des Todes

Cubatão ist eine Industriestadt in der brasilianischen Küstenebene, unweit der Hafenstadt Santos im Bundesstaat São Paulo. In Brasilien ist Cubatão aber nicht nur unter seinem Namen, sondern auch unter der Bezeichnung „Tal des Todes“ bekannt. Pro Monat geben die Industriebetriebe, großenteils der Grundstoffproduktion, ca. 30.000 Tonnen chemische Schadstoffe an die Atmosphäre ab. Die Zusammensetzung der Emissionen ist wie folgt:

Tägliche Industrieemission an die Atmosphäre in Cubatão, Brasilien

Tabelle: Emissionen

Dieser Ausstoß stammt aus sieben Betrieben der Düngemittelerzeugung, fünf der Erdölverarbeitung, fünf anderen chemischen Industriebetrieben, je einem Betrieb der Metallverarbeitung und der Papierindustrie und drei Betrieben der Baustoffindustrie (Zement, Gips etc.), insgesamt also 22 Industriebetrieben.

Für die Bewohner von Cubatão selbst ist die Immission wichtiger als die Emission, da Schadstoffe von der Luft über große Entfernungen transportiert werden können. Im feucht-heißen Klima der Küstenebene bildet die Luftfeuchtigkeit jedoch ein ideales Medium zur Bindung der Luftschadstoffe, so dass die Immissionsbelastung der Stadtbewohner erheblich ist.

Mittelwert der Schwebstaubbelastung und seiner Komponenten (in ng/m³) an zwei Messstellen (Vila Parisi, Cubatão-Zentrum)

Tabelle: Mittelwert der Schwebstaubbelastung und seiner Komponenten

Gutberlet hat mit der Moossäckchen-Methode 1990 eigene Messungen angestellt und dabei erhebliche Überschreitungen zulässiger Belastungswerte der Luft festgestellt. Bei folgenden Schwermetallen können gesundheitliche Schäden auftreten:

  • Aluminium: irreversible Gewebsveränderungen, Lungenfibrose, bronchopneumonische Entzündungen, Herzschädigungen, Pneumothorax, in Extremfällen schwere Schäden am Zentralnervensystem, Verfall des Rückenmarks, spastische Muskellähmung
  • Barium: Bislang nur Pflanzen- keine Menschenschäden bekannt.
  • Cadmium: Erstickungsanfälle (auch lethal), Lungenemphysem, Nierenfunktionsstörungen, Nierenzerstörung, Itai-Itai-Krankheit (schwere Knochenerkrankung).
  • Mangan: Manganismus (schweres neuro-psychiatrisches Krankheitsbild).
  • Nickel: Wachstumshemmungen, toxische Wirkung auf Embryo und Fötus, erhöhte Säuglingssterblichkeit, offenes Augenlid und Gaumenspalten. Schnupfen und Nasenhöhlenentzündung. Als Nickelsubsulfid-Verbindung krebserregend.
  • Titan: keine schädlichen Folgen bekannt.
  • Zink: Anämie, verstärkte Leukozytenproduktion. „Zinkfieber“, begleitet von Leukozytose.

Tatsächlich liegen die Werte der Säuglings- und Kindersterblichkeit, die Krankenfälle und Krebsraten signifikant über dem brasilianischen Niveau, dementsprechend ist die durchschnittliche Lebenserwartung geringer als im übrigen Brasilien. Solange weder Filteranlagen noch emissionsreduzierende Produktionsmethoden eingeführt werden, bleibt Cubatão das „Tal des Todes“.

Quelle: Gutberlet, J.: Industrieproduktion und Umweltzerstörung im Wirtschaftsraum Cubatão/São Paulo (Brasilien). Eine Fallstudie zur Erfassung und Beurteilung ausgewählter sozio-ökonomischer und ökologischer Konflikte unter besonderer Berücksichtigung der atmosphärischen Schwermetallbelastung. (= Tübinger Geographische Studien 106) Tübingen 1991.

vgl. auch: Wilhelmy, H. u. A. Borsdorf: Die Städte Südamerikas, Bd. I: Wesen und Wandel. Berlin, Stuttgart 1984.

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