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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 6 Ökologische Probleme Lateinamerikas in Beispielen

6.4 Zivilisationsökologische Probleme

Das Problem der Umweltgefährdung hat im öffentlichen Bewusstsein und im Bereich der Wissenschaft insbesondere in den sog. Industriestaaten in den letzten Jahren einen starken Bedeutungswandel erfahren. Wurde es anfangs als lokales Problem der Industrieländer gesehen, so stehen heute nicht nur grenzüberschreitende regionale oder kontinentale Umweltfragen im Vordergrund (z. B. saurer Regen), sondern in hohem Maße internationale und globale Problemstellungen (z. B. Treibhauseffekt), die die Notwendigkeit weltweiter Umweltschutzabkommen und Umweltschutzmaßnahmen aufzeigen (Rio-Gipfel). Zu einem wirksamen Umweltschutz gehören ebenso die Aufklärung der Bevölkerung (Entwicklung des Umweltbewusstseins) und deren Mitwirkung.

Die Sicht der lateinamerikanischen Länder auf die Gefährdung und den Schutz der Umwelt ist dagegen ambivalent. Dort, wo bereits Schäden vorliegen, wird die Notwendigkeit von Maßnahmen durchaus gesehen, ein vorbeugender, erhaltender oder gar ethisch begründeter Umweltschutz wird vielfach jedoch als Luxus betrachtet, den sich reiche Industrieländer vielleicht leisten können, nicht aber die lateinamerikanischen Länder, denen es primär um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen und erst nachgeordnet um den Schutz der Natur gehen muss. So wird durchaus die Verursachung von Umweltschäden durch die Industrieländer angeprangert und lautstark nach Kompensation gerufen, wenn es um das eigene (kostenintensive) Engagement geht, verhalten sich die verantwortlichen Politiker Lateinamerikas wesentlich zurückhaltender. Dies gilt weniger für die Intellektuellen und Wissenschaftler des Kontinents, die wichtige Beiträge in der globalen Diskussion leisten. Ein großer Fortschritt gelang mit der federführend von der IUCN (International Unionfor Conservation of Nature and Natural Resources) erarbeiteteten World Conservation Strategy von 1980, in der die für die Akzeptanz des Naturschutzes in Entwicklungsländern unabdingbare Verbindung von Umwelt und Entwicklugn in einer Schutzstrategie festgeschrieben wurde. Diese Gedanken gingen kurze Zeit später in die Formulierung des sog. Brundtland-Berichtes ein, der (nachhaltige) Entwicklung wie folgt definiert: "Dauerhafte (nachhaltige) Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können."

Die Möglichkeit einer Umwelt- und menschlichen Selbstzerstörung hat die Ethik vor neue Aufgaben und Fragen gestellt. So enthält bereits der 1.ÿBericht des Club of Rome (1972) die Forderung nach einem Umdenken im Grundsatz und nach einer Veränderung der menschlichen Handlungsziele auf allen Feldern der Verantwortung. Bis heute sind der kartesische Dualismus von Geist (Subjekt) und Materie (Objekt) und das von R. Descartes und I. Newton begründete mechanistisch-kausale Erkenntnisideal, die Leitziele technischer Nutzbarkeit und rationaler Beherrschung, weitgehend für die Wissenschaft und unsere Auffassung von der Natur bestimmend. Demgegenüber versuchen die christliche Umweltethik und verschiedene philosophische Ansätze, die sich mit dem Status von Pflanzen, Tieren und Menschen und den Pflichten des Menschen als sittliches Wesen gegenüber der gesamten belebten Natur befassen, für eine veränderte Auffassung der Natur und für deren Bewahrung einzutreten (z.B. C. Améry, A. Schweitzer, F. Capra). Diese begründen auch die Notwendigkeit von Umwelt- und Naturschutz.

Unter Umweltschutz wird die Gesamtheit aller Maßnahmen verstanden, die die Umwelt vor nachteiligen anthropogenen Tätigkeiten und Veränderungen schützen und dadurch den Menschen dauerhaft eine lebenswerte Umwelt erhalten sollen. Im Einzelnen beinhaltet Umweltschutz den Schutz der Landschaft und des Landschaftshaushalts, den Schutz des Bodens (vor Vergiftung und Erosion), den Gewässerschutz (insbesondere den Schutz des Grundwassers als Trinkwasserreservoir), den Schutz der Luft vor Verunreinigungen, die Behandlung von Abfällen, den Strahlenschutz, den Lärmschutz sowie den Schutz der Organismen (Tiere, Pflanzen, Pilze usw.) vor Ausrottung durch den Menschen und den Erhalt ihres Lebensraumes. Der Umweltschutz unterliegt der Gesetzgebung der jeweiligen Staaten, erfordert jedoch auch eine internationale Zusammenarbeit, wie am Beispiel des Schutzes bedrohter Arten deutlich wird. Diese können effektiv nur durch Handelsverbote. Auch der Immissionsschutz macht ebenfalls nur über die Ländergrenzen hinweg Sinn.

Man unterscheidet den technischen Umweltschutz und den biologisch-ökologischen Umweltschutz; beide Gebiete überschneiden sich in vielen Fällen. Der technische Umweltschutz umfasst alle technischen Maßnahmen, die der Reinhaltung der Umwelt und der Sicherung der Hygiene dienen. Beispiele sind Anlagen zur Luftreinhaltung (z.Rauchgasentschwefelungsanlagen in Kohlekraftwerken, Filter in Abgasschloten von Industriebetrieben, Abgaskatalysatoren in Kraftfahrzeugen), Anlagen zur Abwasserreinigung und -entsorgung (insbesondere Kläranlagen) sowie die verschiedensten Vorrichtungen zum Lärmschutz und zum Schutz vor gefährlicher Strahlung (z.radioaktiver Strahlung). Auch die möglichst umweltschonende Beseitigung, die sichere Lagerung und das Recycling von Abfällen zählen zum technischen Umweltschutz.

Der biologisch-ökologische Umweltschutz, häufig auch als Landespflege bezeichnet, beinhaltet dagegen den gesamten Bereich des Natur- und Landschaftsschutzes. Hierzu zählen Planung, Anlage und Pflege von Grünanlagen und ähnlichen Erholungsgebieten sowie sämtliche Arten- und Biotopschutzmaßnahmen, wie etwa die Ausweisung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten, die dem Schutz und Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten und seltener bzw. gefährdeter Landschafts- und Vegetationsformen dienen (Naturschutz).

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