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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 6 Ökologische Probleme Lateinamerikas in Beispielen

6.3 Natur- und Umweltschutz

Naturschutz bezeichnet den Schutz und die Pflege von Pflanzen, Tieren und ihren Lebensräumen. Dabei ist es Aufgabe des Naturschutzes, die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts, die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter, die Pflanzen- und Tierwelt sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Natur nachhaltig zu sichern. Naturschutz und Landschaftspflege gehören in einem modernen Problemverständnis zusammen. Die wissenschaftliche Grundlage des Naturschutzes bildet die Ökologie (zu deutsch eigentlich: Haushaltskunde). Ihrem Grundverständnis nach muss die Ökologie interdisziplinär organisiert sein, deshalb beteiligen sich die Biologie (Bio-Ökologie), Geographie (Geo- oder Landschaftsökologie) oder Ökonomie (Umweltökonomie) zentral an der fachübergreifenden Aufgabe, andere Wissenschaften arbeiten ihr zu (Geologie, Klimatologie, Kulturanthropologie u.a.).

Während der vergangenen Jahrzehnte sind die Kenntnisse über ökologische Zusammenhänge erheblich erweitert und vertieft worden. Grundlage des ökologisch orientierten Naturschutzes ist der Gedanke, dass die Erde ein Ökosystem ist, in dem einzelne Teilsysteme miteinander vernetzt sind und wechselseitige Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Arten und ihren Lebensräumen bestehen. Innerhalb des Ökosystems herrscht, solange sie ungestört sind, ein dynamisches Gleichgewicht. Ein Hauptziel des Naturschutzes, wenn er nicht Selbstzweck werden will, ist es, eine günstige Verbindung zwischen ökologisch vertretbarem Umgang mit der Natur und ökonomisch orientiertem Wirtschaften zu erzielen.

Die Wurzeln des heutigen Naturschutzes liegen im 19.In den Vereinigten Staaten kam die Idee auf, große Gebiete unberührter Natur vor den Einflüssen der Zivilisation zu schützen, 1872 wurde mit dem Yellowstone Park der erste Nationalpark eingerichtet. Bereits bei dessen Einrichtung wurden die Lebensgrundlagen der dort lebenden indigenen Bevölkerung denen des Naturschutzes untergeordnet und die Indianer in der Folge umgesiedelt. Derartige Praktiken waren lange Zeit für einen radikale Schutzideologie kennzeichnend, die die Interessen der Natur der menschlichen Existenz vorzog. Den wirklichen Wendepunkt brachte erst die World Conservation Strategy von 1980, mit ihren Vorläufern im 1970 begründeten Man&Biosphere Programme (MAB) der UNO.

Zu den Aufgaben des modernen Naturschutzes gehören der Artenschutz, der Biotopschutz, der Schutz abiotischer Ressourcen und die Steuerung der Landnutzung. Eine der ältesten Aufgaben des Naturschutzes ist der Schutz seltener Pflanzen und Tiere (Artenschutz). Ursprünglich waren dabei vor allem ethische und ästhetische Gründe ausschlaggebend, geschützt wurden bevorzugt attraktive Arten (Vögel, Säugetiere). Heute spielt auch der ökonomische Aspekt und vor allem die gefährdung einer Art eine Rolle. Wild lebende Arten können oft für die menschliche Ernährung, als Genressource für Nutzpflanzen und -tiere, als nachwachsende Rohstoffe oder für pharmazeutische Zwecke Bedeutung haben. Als Entscheidungsgrundlage für die Seltenheit und Schutzbedürftigkeit einzelner Arten dienen z.die Roten Listen. Nur in wenigen Fällen kann jedoch ein wirksamer Schutz durch Einzelmaßnahmen (Verbote, ökotechnischen Maßnahmen) erreicht werden.

Der Flächenschutz oder Biotopschutz ist die Grundlage für einen wirksamen Artenschutz. Er beschränkt sich jedoch nicht darauf, den Lebensraum bestimmter Arten zu sichern, sondern soll Ökosysteme mit ihren Lebensgemeinschaften sowie das Landschaftsbild erhalten. Außerdem soll für biologische Prozesse, wie Wechselwirkungen zwischen Arten, Arealveränderungen, Sukzessionen oder Artneubildungen, Raum geschaffen werden.

Neben dem Erhalt biologischer Vielfalt ist der Schutz abiotischer Ressourcen (Boden, Wasser, Luft) von großer Bedeutung. Eine geeignete Maßnahme hierfür ist etwa die Erhaltung der Vegetation, insbesondere der Naturwälder. Darüber hinaus ist auch die Förderung erosionsvermindernder Wirtschaftsformen ein wirksames Mittel. Sie umfasst neben der Anlage, Erhaltung und Pflege von Ackerterrassen auch das Konturpflügen. Bei diesem System erfolgen die Bearbeitungsschritte (Pflügen, Eggen, Säen, Ernten) nicht in Gefällsrichtung, sondern längs zu den Höhenlinien.

Da Naturschutz immer die Unterschutzstellung von Flächen beinhaltet - und insofern eine Flächennutzung darstellt -, diese Fläche aber in aller Regel auch von anderen Nutzungen (Siedlung, Verkehr, Industrie, Bergbau, Land- und Forstwirtschaft etc.) beansprucht wird, ist bei der Einrichtung von Schutzgebieten immer Nutzungskonkurrenz vorhanden. Dabei können sehr massive Akzeptanzprobleme bei der ansässigen Bevölkerung auftreten.

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