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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.2 Regionale (Struktur-)Geomorphologie
 up 2.2.3 Formenschaft der Tiefländer

2.2.3.3 Küstenenbenen, Deltas und Ästuare

Im Nordosten des Guayana-Schildes ist dem Bergland eine breite Küstenebene vorgelagert, die im Bereich der Orinoco-Mündung 100 km breit ist. Gegen Südosten verschmälert sich die Küste und wird von einigen Gebirgsspornen unterbrochen (bei Cayenne). Hinter einer breiten Nehrungszone erstrecken sich ausgedehnte Niederungen, die von Flüssen durchzogen werden und intensiv wirtschaftlich genutzt werden.

Das Delta des Orinoco umfasst ungefähr 40.000 km². Der wasserreichste Mündungsarm ist der südliche verlaufende Brazo Imataco, der in den geschützten Golf von Paria mündende Nordarm der wirtschaftlich wichtigste, da in seiner Nähe Eisenerzlager auftreten und der Schifffahrt dient. In den zahlreichen Flussarmen des Deltas kommen in weiten Teilen Mangrovenwälder vor.

Das Karibische Küstengebiet zieht sich längs der karibischen Küste Nordvenezuelas bis zu den Küstengebieten Kolumbiens. Die Cordillera de Mérida (über 5000 m) trennt das Orinoccotiefland von der Bucht von Maracaibo. Das tief zerschnittene Gebirge setzt sich längs der Küste als Karibisches Küstengebirge fort. An der Plattengrenze der südamerikanischen und karibischen Platte gelegen, gilt es als eines der tektonisch unruhigsten Bereiche der Erde. Als Folge der Krustenbewegungen besteht die Landschaft aus einem schroffen Nebeneinander zwischen hochaufragendem Gebirge und tief abgesunkenen Becken. In den Hohlformen, vor allem im Maracaibo-Becken, lagern große Mengenan Erdöl, die Venezuela zu einem der führenden erdölproduzierenden Ländern machten.

Der Amazonas ist an seiner Mündung 300 km breit. Das Amazonasdelta entwickelt sich durch die Einwirkung der Gezeiten zu einem riesigen Ästuar und ist ein Gewirr von in alle Himmelsrichtungen fließende Wasserläufe. Die grünen dicht bewaldeten Inseln verändern des öfteren ihre Form, immer wieder ändert sich die Grenze zwischen Land und Wasser. In diesem Bereich liegt auch die größte Flussinsel der Welt. Die Ilha de Marajó umfasst 42.000 km². Im Nordosten grenzt sie an den offenen Atlantik. Im Norden und Nordwesten wälzt sich der Amazonas, der mit seinen drei Hauptarme braugraue Wassermasse über das blaue Atlantikwasser legt. Im Süden fließt der Rio Pará, der alle rechtsseitigen Zuflüsse des Deltas in sich vereinigt. Die Gezeiten machen sich hier sehr kräftig bemerkbar. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut erreicht an der Küste vier Meter.

Durch den steilen Abbruch der Anden zum Pazifik entwickeln sich nur kurze Küstenabschnitte, wenn sie nicht direkt ins Meer abrechen. Zwischen dem Peru-Chile-Tiefseegraben in 8000 m Tiefe und dem Vulkan Ojos del Salado (6880 m) liegt innerhalb von 300 km der größte Höhenunterschied der Erde.

Das atlantische Küstenland Brasiliens bildet einen schmalen Streifen der nur an wenigen Stellen mehr als 80 km Breite erreicht und immer wieder durch Bergsporne und Kaps unterbrochen ist. Hinter einer Reihe von Riffen, gebildet aus Sandsteinen oder Korallen folgt eine breite Nehrungszone, die Restinga, einem flachen Sandstrand mit Strandwällen und ausgedehnten Dünenfeldern. Hinter diesem Bereich nehmen die Flüsse oft nicht den kürzesten Weg zum Meer. Zahlreiche Flussarme und Verzweigungen sowie lagunenartige Seen bauen ein amphibisches Land auf, dessen tiefere Teile aus Mangrovenwäldern eingenommen werden. Die fruchtbaren tiefen Ebenen werden von 60 bis 80 m höher gelegenen ebenen Platten überragt, die aus pliozänen mineralarmen Sedimenten gebildet werden.

Mittelamerika ist nicht besonders reich an weiten Küstenebenen. Ein schmaler teilweise versandeter Tieflandstreifen säumt die wenig gegliederte pazifische Küste Zentralamerikas. Steil steigt das von zahlreichen gefällereichen Flüssen scharf zerschnittene Gebirge an.

Die Atlantikküste hingegen erscheint sanfter als die Pazifische. Weite Tiefländer umgrenzen das Meer in Guatemala, Honduras und Nicaragua.

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