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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.2 Regionale (Struktur-)Geomorphologie
 up 2.2.3 Formenschaft der Tiefländer

2.2.3.1 Das Amazonastiefland: Varzea und Terra firme

Das Amazonasbecken ist reich an Rekorden:

  • Mit 4,5 Mill km² ist das Amazonastiefland das größte tropische Tiefland der Welt.
  • 6518 km machen den Amazonas nach manchen Berechnungen zum längsten Fluss der Erde, nur der Nil macht ihm den Titel streitig.
  • Das Einzugsgebiet umfasst unfassbare 7,2 Mill km²
  • Der Mittlere jährliche Abfluss beträgt etwa 180.000 m³/sec. Der Amazonas führt dem Atlantik unglaubliche 37 Mill. km³ Süßwasser zu (Hydrologie).
Die Abgrenzung des Amazonastieflandes nimmt man dort an, wo an den Unterläufen der Nebenflüsse die ersten Stromschnellen auf anstehendem Gestein auftreten. Das einheitliche Waldkleid reicht weit über diese Abgrenzung hinaus. In diesem Fall liegt die Grenze dort, wo der geschlossene immergrüne Regenwald in lichtere, laubabwerfenden Pflanzengesellschaften übergeht.

Die Gestalt des Amazonastieflandes hatte in der Erdgeschichte eine wechselvolle Entwicklung. Bereits im Paläozoikum bestand hier eine weite Senke zwischen den alten Gebirgsbereichen des Guayana-Schildes und des Brasilianischen Schildes, die von einer breiten Meeresbucht des pazifischen Ozeans eingenommen wurde. Vom Silur bis zum Karbon wurden verschiedene Sedimente abgelagert. Im Tertiär riegelte der neu entstehende Gebirge der Anden den alten Meeresraum ab. Es entstand an der Ostseite der Schwelle ein Binnensee, in dem sich mächtige Ablagerungen der Kreide und des Tertiärs niederschlugen. Erst im Tertiär entwässerte der Binnensee zum Atlantik. Daher besteht heute das Amazonastiefland im Unterlauf aus einem relativ schmalen Streifen jungtertiärer und quartärer Seimente und greift zum Teil auf die brasilianische Masse über. „Oberhalb“ von Manaus weitet sich das Amazonasbecken aus und erstreckt sich von Nord nach Süd über 2000 km.

Schematischer Querschnitt durch den Talweg des unteren Amazonas

siehe auch: Geologie des Amazonasbeckens

Die Morphologie des Amazonasbeckens wird aus dem Zusammenwirken von Relief, Klima und Vegetation bestimmt. Trotz der ständigen Niederschläge sind die Wasserschwankungen erheblich. Am Unterlauf betragen die Unterschiede zwischen 6 und 10 m, im mittleren Abschnitt zwischen 10-15 m. Der Strom bildet bei Hochwasser ein Vielzahl an Verzweigungen und nach jedem Hochwasser ergeben sich Veränderungen in einzelnen Flussarmen, an den Flussufern und in den Wassertiefen. Infolge dessen entsteht eine großer Unterschied zwischen der eigentlichen Amazonasniederung, quasi der Flussaue, die als Várzea bezeichnet wird, und den weiten Flächen, die vom Hochwasser des Stroms nie erreicht werden, der Terra firme.

Das riesige Mündungsgebiet bildet mit dem Wasser des Tocantins und des Rio Para ein riesiges Delta. Dort sind die Gezeitenströme stärker als die Flusströmungen. Oft setzt die Flut zu einer gefährlichen Flutwelle an, der berüchtigten Pororocá. Über 600 km, bis etwa Obidos, dringen die Gezeiten stromaufwärts vor.

Die Mündung des Amazonas

Das Gefälle des Amazonas ist gering. Manaus, etwa 1600 km von der Mündung des Stromes entfernt liegt auf einer Seehöhe von 26 m! 3500 km flussaufwärts verlässt der Amazonas die Anden. Die Quellflüsse erreichen das Tiefland etwa in einer Höhe von 150 bis 200 m. Infolge des Wasserreichtums und der Tiefe des Fahrwassers können Hochseeschiffe Manaus erreichen, selbst nach Iquitos in Nordostperu fahren noch Schiffe mit mehreren tausend Tonnen.

Möglich ist dieses geringe Gefälle aus dem günstigen Verhältnis von Wasserreichtum zur Schuttlast. Der Amazonas führt zwar gewaltige Mengen an Flusslast (bestehend aus gelösten und festen Stoffen), infolge der intensiven chemischen Zersetzung besteht das Material zum Großteil aus gelösten Stoffen und feinsten Partikeln, die selbst bei geringen Gefällen transportiert werden können.

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