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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.2 Regionale (Struktur-)Geomorphologie
 up 2.2.2 Formenschatz des Hochgebirges
 up 2.2.2.1 Vollformen

2.2.2.1.4 Tropischer Vollformenkarst

Lösungsverwitterung zeigt in den tropischen Gebieten Lateinamerikas maximale Effizienz und wird von keiner anderen klimamorphologischen Zone übertroffen.Unter diesen Voraussetzungen findet besonders intensive Lösungsverwitterung statt, vor allem wegen den hohen Niederschlagsmengen und der hohen Zufuhr von freiem CO aus der üppigen Vegetation, einem wichtigen Agens zu Lösung des Kalksteins.

Tropischer Kegelkarst bei Palenque

Nicht nur Karbonatgesteine, sondern auch Silikatgesteine werden durch gleichbleibend hohe Boden- und Wassertemperaturen intensiv korrasiv angegriffen. Im Itatiáia-Gebirge Brasiliens etwa sind an Steilhänge Karren als echte Karstformen zu deuten. Das Wasser in sogenannten Opferkesseln (kleine Hohlformen = Wasseraufen) erreicht in Granitgebirgen einen pH-Wert von 7,6-8,2 (!) und wird 50°-60°C warm.

Die charakteristischen Formenerscheinungen intensiver Verkarstung bilden sich freilich in Karbonatgesteinen. In feucht-heißen Gebieten prägt auf reinen Massenkalken typischer Kuppen- Kegel und Turmkarst die Landschaft. Liegen unreine Kalke vor (Mergelkalke, Dolomit) oder unzureichende Höhenlage über dem Vorfluter, kennzeichnen weniger Vollformen, als Hohlformen die Landformen. Die nur wenige Meter über dem Meeresspiegel gelegene Kalktafel Yucatáns ist von Dolinen (dort Cenotes) durchsetzt und geht erst landeinwärts mit zunehmender Höhe in Kuppen- und Kegelkarst über.

An tropischen Küsten kommt es hingegen zu rascher Verkarstung gehobener Korallenriffe, wo sich modellhaft Karren ausbilden. Besonders gute Kegelkarst-Beispiele sind auf den Westindischen Inseln, insbesondere Kuba, Puerto Rico und Jamaica, in Chiapas und Tabasco, oder auch am Ostrand der peruanischen Anden zu finden.

Entgegen früheren Meinungen gehen jüngere Karstforschungen von einer eigenen klimazonalen Typenreihe aus und nicht von einem Normalzyklus der Karstentwicklung, die nur unter bestimmten Voraussetzungen zur vollen Entfaltung kommt:

  • Auftreten von Massenkalken
  • Ausreichende Höhenlage
  • An feuchten Basisebenen wirksame Erosion

Die Karstkegel haben verschiedene lokale Bezeichnungen, so werden sie in Kuba „mogotes“ (Heuhaufen), oder in Puerto Rico „pepinos“ (wörtl. Gurken) genannt. In anderen tropischen Gebieten Mittelamerikas ist auf verkarstungsfähigen Gesteinen der sogenannte Cockpitkarst) die charakteristische Erscheinung. Der englische Begriff stammt aus Jamaica und wurde aus den dort traditionellen, runden, allseitig geschlossenen Hahnenkampfgruben abgeleitet – natürlich geht der Name auch auf Cockpits alter Flugzeuge zurück. Cockpits haben Durchmesser von einigen Zehnern von Metern. Ihr Boden ist meist flach und kann von eingeschwemmten Sedimenten bedeckt sein, im Vergleich zur reinen Dolinenform ist der Boden deutlich ausgeweitet. Cockpits entwickeln sich aus Dolinen auf verschiedener Art. Erreicht das Grundwasserniveau des verkarsteten Gebietes den Dolinenboden, kann sich der Boden nicht weiter eintiefen. Die Lösung des Kalkes breitet infolge dessen sich nach allen Seiten der umschließenden Doline aus.

Auch eingeschwemmte Sedimente können die Ausweitung des Cockpitbodens verursachen. Die Sedimente haben häufig einen hohen Tongehalt und stauen das Regenwasser im Cockpitboden. Dieses Wasser löst den Kalk am Fuß der umgebenden Hänge. Eine dritte Möglichkeit der Cockpitbildung ist, wenn die fortschreitende Lösung des Untergrundes eine wasserundurchlässige, nicht lösliche Schicht freilegt.

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