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Naturräume Lateinamerikas
Von Feuerland bis in die Karibik
Univ. Prof. Dr. Axel Borsdorf und Mag. Hannes Hoffert
Institut für Geographie der Universität Innsbruck
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 up 2 Geomorphologie, oder: Das Relief Lateinamerikas
 up 2.2 Regionale (Struktur-)Geomorphologie
 up 2.2.2 Formenschatz des Hochgebirges
 up 2.2.2.1 Vollformen

2.2.2.1.3 Glazigene Formen

Obwohl der Anteil der vom Gletscher beeinflussten Gebiete in Lateinamerika verhältnismäßig gering ist, so kommt ihnen in der Forschung große Bedeutung zu, einerseits, weil die Anden das größte zusammenhängende Gebiet tropischer Gletscher bilden, andererseits aber auch, weil sich die Wissenschaft Aussagen über die klimatische Entwicklung der Vergangenheit erhofft.

In Lateinamerika kann man analog zu den klimatischen Umständen drei glaziale Regime unterscheiden:

Das tropische Regime reicht bis etwa 12° nördlicher und südlicher. Breite. Die Schneegrenze liegt aufgrund der hohen Niederschläge niedriger als in den Subtropen zwischen 4800 und 5000 m und nahe der 0°C-Isotherme.

Das subtropische Regime reicht bis etwa 23° n. bzw. s.Br.. Aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung und der geringen Niederschläge liegt die Schneegrenze etwa 1000 m über der 0°C-Isotherme auf einer Höhe von knapp an die 6000 m – die höchste Schneegrenze der Welt. Selbst die über 6000 m hohen Vulkanriesen tragen nur kleine Schneekappen.

Die Eiszeiten führten anders als in den Alpen und anderen ektropischen Hochgebirgen nicht zur Ausbildung gewaltiger Eisstromnetze, einerseits, weil die Anden noch nicht bis auf ihr heutiges Niveau gehoben waren, andererseits auch wegen der auch im Pleistozän wirksamen tropischen Klimabedingungen. Dennoch waren in einigen wenigen Teilen der Anden größere Areale vergletschert, was die Ausbildung von Karen in Höhen unter 5000 m (Sierra de Velasco, NW-Argentinien) belegen.

Im temperierten Regime liegt die Schneegrenze nahe oder unter der 0°C-Isotherme bei etwa 3000 bis 2000 m, ganz im Süden liegt sie nur mehr bei 450 m (Westseite der Kordillere) (Ostseite – geringere Niederschläge).Gebiet liegt im Einflussbereich der stetigen Westwinde liegen und Richtung Süden die Temperaturen zurückgehen.

Der Einfluss der glazialen Tätigkeit reichte in diesen ektropischen Teilen der Anden weit über die heutigen Gebiete mit Gletscherbedeckung hinaus. Gletscherflächen nahmen im Pleistozän, insbesondere während des Spätglazials, ja sogar noch im Holozän weitaus größere Areale ein. Das belegen Moränen, die weit vom heutigen Gletscherrand entfernt liegen. Andere heute noch zu erkennende Vollformen sind Drumlinfelder, die von Schmelzwässern gebildeten glaziofluviale Terrassen, oder erratische Blöcke, d.h. Gesteine, die vom Gletscher vom Gebirge hinaus ins Vorland transportiert wurden, und heute dort als Fremdlingsgestein zu finden sind. Die Eisfelder Patagoniens und ihr Umland zeigen diese Formen am deutlichsten, aber auch die glazial beeinflussten Gebiete der Nordanden bieten Anschauungsunterricht zum glazialen Formenschatz.

Andere Auswirkungen glazialer Tätigkeit sind in einer noch größeren Entfernung vom heutigen Gletscherrand zu beobachten. Bei Abschmelzen der Eismassen wurde das von den Gletschern erodierte Material aus den Gebirgen heraustransportiert und entlang der Flüsse in weiten Schotterfluren abgelagert. Diese Schotter bedecken weite Teile Patagoniens - 300.000 km² sind von den Anden bis zum Atlantik von der Patagonsichen-Schotterformation (Rodados Patagonicos) eingenommen.

Hohlformen, die auf glazialen Tätigkeit zurückgehen, sind vielleicht das noch imposantere Erbe der Gletscher. In vielen ehemals vergletscherten Bereichen Lateinamerikas entstand als Folge glazialer Erosion tiefe U-förmige Täler. Sie haben sich vor allem unter ariden Bedingungen nahezu idealtypisch konserviert und bilden das zentrale Erlebnis eines Überflugs über die Anden zwischen Mendoza und Santiago de Chile Die Berggipfel der höchsten Gipfel sind in vergletscherten Gebieten von Karen umgeben.

Den größten Einfluss der Gletscher kann man in Patagonien beobachten, wo heute noch weite Teile unter dem nördlichen und südlichen Patagonischen Eisfeld begraben sind. Die Gletscher nahmen die Gebiete bis zu den von ihnen selbst geschaffenen Seen ein (z.B. die Lagos Nahuel Huapi, Buenos Aires, Viedma, Argentino). In Chile münden heute noch einige Eisloben in die Zungenbecken der reich gegliederten Küste Südchiles. Dort mündet auch der San Rafael Gletscher als äquatornächster Gletscher der Welt, der das Meer erreicht, in den Canal de los Elephantes.

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